Titel: Kunst und Geld , 2000

Victor Bonato: Lohn der Arbeit

Zerschreddertes Geld klebt auf Büsten, Sägeblättern, Spanplatten, auf einem Polizeischlagstock und anderen Objekten. Als „Lohn der Arbeit“ ist es in Schubkarren angehäuft, und zwar farblich differenziert: eine Schubkarre enthält nur grüne Schnipsel von Zwanzigmarkscheinen, die anderen jeweils nur Reste der braunen Fünfziger oder der roten Zweihunderter. Im Atelier wirft Victor Bonato im wahrsten Sinne des Wortes mit Geld um sich: Die Oberfläche der Objekt- bzw. Bildträger wird dick mit Leim eingestrichen, die Schnipsel dann darauf gekippt. Das haptische Erlebnis hält sich dabei in Grenzen, denn das vorher im Reißwolf einer Landeszentralbank zerstörte Geld „stinkt und ist irgendwie klamm“1.

Anlässlich eines Kunstwettbewerbs hatte Victor Bonato an einer Führung durch diese Bank teilgenommen. Um den Raum mit dem Reißwolf machte man allerdings zuerst ein Geheimnis, erlaubte Bonato schließlich dann doch den Zutritt. Im Auftrage der Bundesbank werden dort verschmutzte Scheine vernichtet, und zwar nach ihren jeweiligem Wert und damit nach Farben sortiert. „In diesem Bankraum ist es miefig. Die Menschen stehen dort und zerhacken, wofür andere sich krummgelegt haben. Auf Dauer stumpft das ab. Es sollten mal Menschen, die an so einem Reißwolf standen, verurteilt werden, weil sie Geld – vorher – in die Tasche steckten. Diese Leute sind freigesprochen worden. Weil es für eine bestimmte Mentalität unzumutbar ist, etwas so Wertvolles zu zerstören.“2

Die „Fragmente eines ursprünglich wertvollen Gutes“ mit „Lohn der Arbeit“ zu betiteln, ist daher doppelbödig. Der heute 64-jährige Bonato gehört einer Generation an, die „im Krieg für Maisbrot angestanden hat“ und die alles noch Verwertbare aufhob,…

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