Titel: Insel Austria · von Wolfgang Kos · S. 238
Titel: Insel Austria , 1987

Manfred Wakolbinger

geb. 1952 in Mitterkirchen, lebt in Wien

(…) Die Formen werden aus Zusammenhängen herausgelöst und machen – ohne dabei kalt und neutral zu werden – Mutationen durch. Wie improvisierende Schauspieler ertasten die Gebilde, indem sie im behutsamen Annäherungsspiel des regieführenden Künstlers zu menschlichen Gestalten werden, ihre Rollen. Es ist das uralte Mysterienspiel des Menschen-Erschaffens. »Vorwärts«, befiehlt der stille Magier, und das um den Hohlraum gebogene Blech biegt sich wie ein Odysseus, der auf dem Boot über die Wellen zischt. In diesem Spiel wird das Dach aus dem Alpenvorland ein Kopf, ohne deshalb ein Kopf sein zu müssen. Der »König« ist ein Trümmerhaufen: erst, wenn man die Blechzacken als Krone oder Körper zu orten bereit ist, dechiffriert sich der Rest. Erst durch die Zusammenfügung werden die Formen zu Körperteilen, ohne deshalb auf banale Vollständigkeit abzuzielen. Auch wenn seinen Figuren scheinbar Arme, Beine oder Rümpfe fehlen, für Wakolbinger sind es immer vollständige Figuren. Um sie herum mögen Ruinenlandschaften sein, sie aber stehen und liegen cool, lässig, ja sogar arrogant in ihrem fragilen Gleichgewicht aus Luft, Blech und Masse. Die Macht des Urbildes – das Bild des Menschen – ruht so tief in uns, daß wir es immer wieder fertig zu denken bereit sind. Auch unter Bedingungen von Diffusion sucht das Auge die Harmonie des unzerstörten Ganzen. (…)
Wolfgang Kos (1985)

Die »Gefäßplastiken« sind das vorläufige Ergebnis einer gestalterischen Genese, die von zwei, außerhalb der traditionellen autonomen Skulptur liegenden Prinzipien wesentlich beeinflußt wird: Von dem des »rituellen Möbels« und dem des Phänomens »Schmuck«, von…

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