Ausstellungen: Karlsruhe · von Roland Schappert · S. 342
Ausstellungen: Karlsruhe , 2003

ROLAND SCHAPPERT

Martin Kippenberger – Das 2. Sein

Retrospektive zum fünfzigjährigen Geburtstag

Museum für Neue Kunst / ZKM Karlsruhe, 8.2. – 27.4.2003

Armer Mythos: Preis seines kurzen Lebens, überambitionierte Vermarktung oder Abglanz eines schillernden Megakünstlers? Unbestritten wird Martin Kippenberger heute als einer der bedeutendsten deutschen Künstler seit den frühen 80er Jahren gehandelt. Das war nicht immer so. Bis kurz vor seinem Tod 1997 hatte er nur eine einzige deutsche Museumsausstellung 1986 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt („Miete Strom Gas“). Museumsleute mieden lange Zeit Kippenbergers schnelle Hand, seine Überproduktion, seine spitze Zunge und seinen Zynismus, der offensichtlich vor Nichts zurückschreckte: „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken“ – so lautet ein Bildtitel von 1984. Schwulenwitze, Frauensprüche, Stammtischparolen – Kippenberger suchte die Provokation und fand sie zielsicher. Er spielte das Lied des letzten Bohemien. Ist das heute alles vergessen oder gehört es zu den Großtaten eines Genies? Und wer sind die Leute, die heutzutage Genies suchen?

Kippenbergers immer noch unüberschaubare Produktion dient auch sechs Jahre nach seinem Tod zahlreichen jungen Künstlern als Leitbild oder Rechtfertigung für die eigene Arbeit. Aber kann man die Zeiten wiederholen? Am 25. Februar 2003 hätte Kippenberger groß gefeiert: „Gar nicht auszumalen, was er uns an seinem 50sten Geburtstag zugemutet hätte“, spekuliert sein Weggefährte Albert Oehlen und unterstellt „Kippi“ die Opferhaltung desjenigen, der sich „für den Betrieb geopfert hat“. Halten wir fest: Kippenberger ist jetzt in ganz Deutschland Mythos (FAS, 2.2.03, Der Tagesspiegel, 11.2.03, Die Zeit, 13.2.03), Maniac (Tages-Anzeiger, Zürich, 14.2.03) und soll nun zur Legende (Der Spiegel, 3.2.03) erklärt werden.

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