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Essay · von Hans Ulrich Reck · S. 258 - 266
Essay , 2001

HANS ULRICH RECK
MYTHOS MEDIENKUNST

Überliefertes und Unerledigtes im Gebiet der bildenden Künste

Kunstbetrachter werden derzeit heftig zum Mitspielen aufgefordert. Sie sind gehalten, eine aktive Rolle für die Entstehung des Kunstwerks zu übernehmen. Digitale Mitspielmöglichkeiten im ‚Gesamtdatenwerk‘, Eintauchen in den Medienverbund, Surfen durch Internet und Cyberspace, der flexible Besuch virtueller Realitäten – angesagt ist der aufgeschlossene, lockere und mündige, der postmodern geschulte und ironisch disponierte Rezipient. Die Befreiungsschläge der Kunst haben mittlerweile jedoch deutlich Züge eines militärischen Einsatzes angenommen. Berichte von der Front der Kunst schwingen sich auf zu techno-imaginären Siegesmeldungen. Wunder an neuer Teilhabe und gesteigerter ästhetischer Erfahrung werden gepriesen, nicht zuletzt unter dem dubiosen Schlagwort einer ‚interaktiven Kunst‘. Auch theoretisch wird eine digitale Ästhetik weitherum gepriesen. Der Begriff ‚Medienkunst‘ ist dementsprechend gut etabliert und weit verbreitet. Lanciert vor über zehn Jahren, um dem Spiel der Kunst einen weiteren Raum zu sichern, ist es an der Zeit, eine Revision vorzunehmen. Sie ermöglicht eine Einsicht in die Rückbindung vieler der gepriesenen Innovationen an das Überlieferte und Unerledigte im Gebiet der bildenden Künste.

Blicken wir zunächst auf wesentliche Tendenzen der Künste im 20. Jahrhundert. Es sind hier drei davon zu nennen:

1. Die stetige Ausdehnung der Materialbasis; immer mehr und neue Stoffe sind als Träger des Bildes und Material des Kunstwerks genutzt worden.

2. Die intensive Verbindung der Gattungen und Medien zu einem Verbund, der die Koppelung unterschiedlichster Reize und Sinne ermöglicht.

3. Eine auch theoretisch begründete Integration der jeweils neuen Maschinen und Apparate in den Entwurf der Künste. Sie ist zu werten als Versuch, den Ausdruck…


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von Hans Ulrich Reck

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