Ausstellungen: Berlin/Bonn · S. 295
Ausstellungen: Berlin/Bonn , 1990

Marius Babias

Nancy Spero

Haus am Waldsee, 10.3. – 13.5.1990

Kunstverein, 3.10. – 21.11.1990

„Was ich wirklich wollte, war, die Frau als universales Symbol zu nehmen und nicht das männliche, den ‚Phallus‘. So würden die weiblichen Riten des Übergangs – Geburt, Pubertät, Gebären, Tod – Universalität erlangen anstelle beispielsweise der männlichen Vorstellung. (…) Ich benutze aber auch eine Bildersprache, die, wie ich hoffe, dem objektivierenden männlichen Blick standhält.“

Nancy Spero in einem Gespräch mit Jon Bird, 1986

Nancy Spero ist in den letzten Jahren- insbesondere durch ihre Einzelausstellung im Institute of Contemporary Arts, London 1987 – auch in Europa mit einer künstlerischen Position wichtig geworden, die Fragen der Gewalt, der Sexualität und des Feminismus gestalterisch und rezeptiv eindrucksvoll abhandelt. Die jetzige Ausstellung „Bilder 1958-1990“ hat retrospektiven Charakter, denn sie gibt einen chronologischen Einblick in die Entwicklung dieser 64jährigen Künstlerin, die mit düsterer Malerei anfing und über die Beschäftigung mit antiker Mythologie (als aktualisierbares motivisches Reservoir) eine Stempel-Technik entwickelte, bei der die Figuren auf lange Papierbahnen oder direkt an die Wand gestempelt werden. Die im Anschluß an Nancy Spero geplante Retrospektive ihres Lebensgefährten Leon Golub mußte aus Geldgründen verschoben werden.

Ein Querschnitt aus insgesamt sechs Werkgruppen wird präsentiert: „Paris Black Painting“ (1958-65), „War Series“ (1966-70), „Artaud-Bilder“ (1969-72), „Normal Love“, „Torture of Women“ (1976) und Paneel-Folgen der 80er Jahre.

In den „Paris Black Paintings“ deutet sich Speros schematisierte Menschendarstellung bereits an; die Figuren sind meist gesellschaftliche Außenseiter, ihre Körper lediglich konturiert und flach. Sie treten gewissermaßen hinter der Farbe zurück und führen die Bildleere als präsupponierte Leere des Daseins vor…

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