Ausstellungen: Köln , 2003

JÜRGEN RAAP

Panamarenko

„Thermo Photovoltaic Energy Convertor“

Kewenig Galerie, Köln, 15.2. – 19.3.2003

Aragna“ (2002) ist eine Konstruktion mit Spinnenbeinen, Korb und einem Sitzkissen. Die Spinne lehnt im Vorraum der Galerie im rechten Winkel an der Wand. Nach Panamarenkos Vorstellung sollte sich ein Besucher in den Korb setzen und mit dem Gerät über die Wand reiten. Wer mutig genug ist, kann sich auch das Fluggerät „Super Paradox“ (2002) auf den Rücken schnallen lassen – immerhin bekommt man einen Fallschirm mitgeliefert.

Die technische Kühle seiner utopischen Modelle pflegt Panamarenko durch skurrile Details zu konterkarieren. Bei dem scheußlich gemusterten Sitzkissen fallen die aufgenähten rosa Wollpuscheln auf – kühne Ingenieurvisionen werden von Großmutters betulicher Häkel-Ästhetik eingeholt. Das ist ein deutlicher Beleg für den hintersinnig-verstiegenen belgischen Humor, auf den man nicht nur bei Panamarenko trifft, sondern auch bei der Kunst seiner Landsleute Marcel Broodthaers und Pol Bury.

Um 1970 entwarf Panamarenko seine ersten Flugzeuge – sie wirken ingenieurtechnisch und aerodynamisch weitaus realistischer als die 500 Jahre alten Zeichnungen zur Flugmechanik, die Leonardo da Vinci hinterlassen hat. Panamarenkos Flugmodell „Raven“ (2000) z.B. bewegt seine Flügel durch einen Elektromotor. Doch ob diese Gebilde tatsächlich fliegen oder fahren können, ist letztlich unerheblich. Die Tüftelei ist für ihn künstlerischer Selbstzweck. Das Entwerfen betreibt er als prozesskünstlerische Angelegenheit mit Akribie bis zu jenem Punkt, der dem Betrachter suggeriert, jetzt müssten nur noch wenige Veränderungen vorgenommen werden, um einen serienreifen Prototypen zu fertigen.

Das Solar-Auto „Thermo Photovoltaic Energy Convertor“ (2001) zeigt die Schnittigkeit eines Rennwagens. Das Lenkrad ist beweglich. Doch dann kippt die Konstruktion ins Widersinnige um….

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