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Titel: Kunst und Geld · von Jürgen Raap · S. 182 - 182
Titel: Kunst und Geld , 2000

Paul Etienne Lincoln:
Gefrorenes Geld

Seit 1987 arbeitet Paul Etienne Lincoln an seiner Installation „New York-New York“: ein „Versuch, eine sechzigjährige Entwicklungsperiode New Yorks zu beschreiben“. Diese ist zugleich sowohl durch nostalgische als auch durch fortschrittliche Haltungen gekennzeichnet. Lincoln verdeutlicht dies durch „eine nostalgische Maschine“, die nach dem Prinzip des Heißwasserboilers funktioniert („New York HOT“), und durch eine Apparatur, die als Symbol des Fortschritts Wasser zu Eis gefrieren lässt und Fünfdollarnoten in hauchdünne Eisplättchen prägt („New York COLD“).

Beide Maschinen „arbeiten“ eine „industrielle Sechzigstundenwoche“ lang. In dieser Zeit orgelt der „Hot“-Apparat unaufhörlich drei Takte von „Stars and Stripes forever“, während die „Cold“-Maschine 60 Eisdollarnoten (= 300 US-Dollar) produziert. Diese werden dann in einen Wasserbehälter befördert, der beide Maschinen versorgt, wo sie dann schmelzen und sich auf diese Weise in ihr ursprüngliches Material zurückverwandeln.

Auch in den realen Geldkreisläufen findet mitunter bekanntlich eine Geld- bzw. eine Wertvernichtung statt (durch Abwertungen einer Währung, Kursstürze). Manchmal ordnen Politiker an, in den Staatsdruckereien die Notenpresse anzuwerfen, mit dem oft fatalen Ergebnis, dass bei dermaßen angestiegener Geldmenge eine Inflation zu einem Kaufkraftverlust führt. Doch Lincolns symbolisches wie reales Einfrieren des Geldes garantiert auch keine Wertbeständigkeit, wenn es sich hinterher beim Schmelzen wieder verflüchtigt.

Transformation ist hier ein Prozess der Veränderung von Aggregatzuständen (von flüssig zu fest). Es ist nicht zu weit hergeholt, das flüssige Wasser (ein Pleonasmus, sic!) in metaphorischer Beziehung zu den globalen Geldflüssen zu sehen, ebenso der Verfestigung bzw. Vereisung von Materie eine mehrfache Bedeutung zuzugestehen. Ökonomisch gesehen, ist hier Geld kein Investivkapital, das erst eine industrielle…

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