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Ausstellungen: Köln · S. 376 - 376
Ausstellungen: Köln , 1990

Uta M. Reindl
Paul Graham

Esther Schipper Galerie, 1.6. – 14.7.1990

Eine Reise durch Europa, die nationale Eigenheiten außen vor läßt. Da sitzt ein Mädchen in schummriger Disco-Beleuchtung, dort blickt der einarmige Mann auf die monotone Vorstadt-Landschaft, und dann gibt es die Episoden aus der Grauzone von „drugs & sex“.

Ungeschminkte Ablichtungen von anonymen, oft aber von (weltweit) sehr vertrauten Zusammenhängen. Photographie als Realitätskunst mit ihrer Ästhetik in der ursprünglichen Bedeutung, der aisthesis, der bloßen Wahrnehmung nämlich. (Vgl. KUNSTFORUM, Bd. 91, S. 91)

Als Dokumentarphotographie versteht Paul Graham seine Arbeiten aber keinesfalls. Die auf Aluminium und großformatig präsentierten Farbaufnahmen – häufig Elemente von zwei- oder dreiteiligen Installationen und deren Beziehungen zueinander – provozieren oft das freie Spiel von Assoziationen. Es kommt aber auch zu eindeutigen, zuweilen zu flachen Bezügen. Daß der Fixer in Zürich, die nachdenklich wirkende Frau in Vigo (Spanien) und das ineinander versunkene Liebespaar in Barcelona aufgenommen wurden, ist für die Gesamtaussage der Arbeit irrelevant. Anders in dem Diptychon (Ohne Titel, Spanien, 1988-89): das Detail der Deckplatte von Francos Grab mit Spuren von Spucke einerseits und das schrill aufgemachte Mädchen aus Vigo im anderen Bild.

Paul Graham, einer der zahlreichen britischen Künstler, die Kölner Galerien in jüngster Zeit präsentierten, erhielt jenes irreführende Etikett des Dokumentarphotographen unter anderem durch seine Photobände. „A 1 – The great North Road“, entstanden zwischen 1981 – 82, reflektiert eine Reise von London nach Edinburgh in Bildern von sozialer Misere, aber auch in den Darstellungen vom Verfall im zivilisatorischen wie natürlichen Kontext. „Beyond Caring“ (1984 – 85) befaßt sich…


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