Ausstellungen: Köln , 2006

Jürgen Raap

Pavel Schmidt

„annähernd sieben meter wein“
Museum Goch, 14.5. 2006 – 6.8. 2006

Pavel Schmidt, in München und in der Schweiz lebend, machte sich im Kunstbetrieb einen Namen durch Sprengaktionen. Auch seine Ausstellung im Museum Goch war von Detonationen begleitet: Hier sprengte Schmidt im Juni Gartenzwerge in die Luft.

Der Gartenzwerg ist für Schmidt Inbegriff einer bräsigen teutonischen Bierkultur und einer hausbackenen Gemütlichkeit. Als ironisches Gegenbild dazu inszenierte er im Museum Nachbildungen antikisierender Skulpturen, die von Schläuchen mit Wein umrankt sind. „Annähernd sieben meter wein“, so der Titel der Ausstellung, schlängeln sich auf diese Weise um den Kopf von Michelangelos „David“ und um den Leib einer marmornen „Venus“ als weibliches Pendant. Dabei beschränkte sich Schmidt nicht nur auf den Raum, der für Wechselausstellungen reserviert ist, sondern er platzierte seine Skulpturen und Objekte auch zwischen den Exponaten der ständigen Sammlung zur Kunst und Kulturgeschichte am Niederrhein. Ein solcher Rekurs auf Historisches ist bei einer solchen Werkschau durchaus stimmig, weil Pavel Schmidt nämlich in allen seinen Arbeitszyklen Aspekte der Geistesgeschichte reflektiert und nach einem strukturalistischen Prinzip in Gegensatzpaaren anordnet: Wein-Bier, Mediterranes-Nördliches, männlich-weiblich, sakral-profan, Leben-Tod. Unter den Exponaten finden sich auch zwei Fundstücke, nämlich Warnschilder aus Deutschland und Frankreich. Sie belegen, dass man in unterschiedlichen Sprachräumen dasselbe meint, aber mit Vokabeln von gegensätzlichem semantischen Inhalt ausdrückt: Dem deutschen Wort „Lebensgefahr“ entspricht das französische „Danger de mort“, wörtlich übersetzt „Todesgefahr“.

Pavel Schmidt beleuchtet also nicht nur den Sachverhalt an sich, sondern gleichzeitig die spezifischen kulturellen Sichtweisen, die in gesellschaftliche Übereinkünfte oder gar in einen…

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