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Ausstellungen: Berlin · von Jutta Schenk-Sorge · S. 334 - 334
Ausstellungen: Berlin , 1999

Jutta Schenk-Sorge
Peter Friedl

Neuer Berliner Kunstverein, 16.1. – 28.2.1999

Anstoß zu erregen gelingt Künstlern immer seltener. Es gelang kürzlich dem neununddreißigjährigen Peter Friedl, documenta X-Teilnehmer und laut Presseerklärung “einer der interessantesten und international bekanntesten Künstler Österreichs”. Bei der Vernissage seiner minimalistischen Installation im Berliner Kunstverein stießen sich einige Besucher gerade am Nicht-Vorhandenen, an der großen Leere im Ausstellungsraum. Voller Protest unterbrachen sie Peter Weibels von Gewißheit getragenen Einführungsvortrag. Er sei wohl eigens eingeflogen worden, um das offensichtliche künstlerische Vakuum mit hochtrabenden Worten aufzufüllen. Professor Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und Bannerträger der Kontextkunst, wußte sich zu wehren: Alles sei heute theorieabhängig. Wie sollte es da die Kunst nicht sein? Die Diskussion über die Theorielastigkeit der gegenwärtigen Kunst und der Vorwurf von des “Kaisers neuen Kleidern” sind nicht neu. Trotzdem ist die Korrelation zwischen der faktisch nachvollziehbaren künstlerischen Intervention und dem intendierten Aussage- und Bedeutungsradius eines Werks immer wieder am Einzelfall zu prüfen. Wie sieht das bei Peter Friedl aus? Als erstes entledigte der Künstler den Ausstellungsraum der Fensterverkleidungen, wodurch der Raum weniger perfekt, alltäglicher wirkt. Dann plazierte er den Namen NINO auf die zentrale Wand. Locker hingesetzt und in freundlich-bunten Farben beherrschen die vier Lettern wie ein überdimensioniertes Logo die Installation. Mit der vertraulichen Anrede NINO, erfährt man, verweist Friedl auf den italienischen Politiker, marxistischen Philosophen und Schriftsteller Antonio Gramsci. Auf der Wand rechts davon schimmert ein breiter, silberner Streifen, der vom Boden bis 151 cm reicht. Dieses Maß spielt wiederum auf Gramscis Kleinwüchsigkeit an, der körperlich…


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von Jutta Schenk-Sorge

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