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Ausstellungen: Krefeld · von Ingo Arend · S. 380 - 381
Ausstellungen: Krefeld , 1994

Ingo Arend
René Daniëls / Shirley Wiitasalo

Museum Haus Lange, Krefeld, 6.2. – 10.4.1994

Sehen ist ein Akt von Täuschung und sozialer Konvention. Ohne daß die Ausstellungsmacher Ulrich Loock von der Berner Kunsthalle und Julian Heynen vom Krefelder Haus Lange diesen Anspruch explizit formulieren: Der ironische und selbstreflexive Umgang zweier Künstler mit Wahrnehmungsinstrumenten läßt es zu, die Ausstellung diesem Topos der neueren Wahrnehmungsdiskussion zuzuordnen.

Nach der Beteiligung an den größeren Ausstellungen „Das Bild der Ausstellung“ im Wiener Heiligenkreuzhof im Sommer 1993 und der Präsentation seiner Werke in Kasper Königs Schau „Der zerbrochene Spiegel“ wird nun nochmals dieser Teil von René Daniëls ironischem Ouvre zur Kritik von Kunstbetrieb und Ausstellungswesen als erste Einzelpräsentation in Deutschland gezeigt. Sein zentrales Motiv der abstrakten Raumschemata, als selbstständiges malerisches Motiv aus jedem Bedeutungskontext herauspräpariert, läßt sich als metaphorische Kritik an dem Zaumzeug zugerichteter Wahrnehmung lesen, in dem das Bild und sein Inhalt selbst blind werden: Die „Memoirs of a forgetful person“, die „Erinnerungen einer vergesslichen Person“ sind nur leere Bildblöcke.

Kennzeichnend für die hintergründig-ironische Kritik Daniëls‘ ist die Dekonstruktion des wahrnehmungskonstituierenden Verhältnisses von Bild und Titel. Eine doppelte Institutionskritik: Mit Titeln, die er zwischen Atelier und Ausstellung sogar auswechselt, entzieht er den Bildern den letzten Anschein klarer Bedeutung und dem Betrachter festgefügte Bild-erwartungen. Stattdessen wird das scheinstabile Betriebs- und Bedeutungssystem Kunst selbst zum Bild. Als Schwarm gebundener Halsfliegen ziehen seine Raumkürzel über einen Nebelschleier, den Daniëls „Bonbonpapier“ oder „Vlies“ genannt hat. Dahinter wiederholt sich das Raummotiv der Ausstellungssituation noch einmal groß. Mit konzeptueller Malerei über Malerei fühlt man sich…


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