Ausstellungen: München · S. 279
Ausstellungen: München , 1990

Heinz Schütz

rot – ich weiß – rot

FOTOKUNST AUS ÖSTERREICH

KÜNSTLERWERKSTATT LOTHRINGERSTRASSE, MÜNCHEN, 11.1.-11.2.1990

Katalogvorworte stehen nicht immer mit den Ausstellungen, von denen sie handeln, in Einklang. Trotzdem gibt es zu denken, wenn der zu „rot – ich weiß – rot“ erschienene Katalog mit der Behauptung eingeleitet wird, daß die österreichische Fotoszene zu den lebendigsten der Welt gehöre, daß früheste Protagonisten der Fotokunst aus Österreich stammen, und dann als Beleg die Aufzählung folgt: Egon Schiele, Gerhard Rühm, Arnulf Rainer, Günther Brus und Rudolf Schwarzkogler. Das „früh“ mag sich auf Schiele beziehen, das Innovative der Fotografien von Brus und Schwarzkogler jedoch leitet sich vom aktionistischen Motiv ab, d.h., die Liste wird bei näherem Hinsehen zunehmend dünner.

Dem durchaus entsprechend kann auch der erste Ausstellungseindruck den Superlativ keinesweg bestätigen. Trotz der inszenatorischen Komponente, die den Hautgout der achtziger Jahre liefert, sind Positionen, wie sie sich in „konzeptueller Fotografie“ und „story art“ der siebziger Jahre herauskristallisieren, nicht immer in der möglichen Radikalität überschritten. Durchaus „konzeptuell“ addiert Hermann Candussi Aufnahmen, die den Blick von Bergesgipfeln dokumentieren, zu Rundhorizonten. Von innen beleuchtet, sind sie auch von innen zu betrachten. Zynismus – die Glühbirne als „Höhensonne“ – ist intendiert. Die skurrilen Rezeptionsbedingungen verselbständigen sich jedoch und werfen das Fotoobjekt auf sich selbst zurück. Vom Kern her konzeptuell ist der Ansatz von Manfred Willmann. In sensibler Farb- und Materialabstimmung, aber pathetischer Verwendung der Kreuzform kombiniert er die Fotos von acht Steinwürfen in den Genfer See mit Pflanzenbildern und Aufnahmen aus dem fahrenden Auto. Josef Wais‘ Schwarz-Weiß-Fotografien, die er durch Montage verfremdet…

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