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Titel: Schamanen · S. 54 - 109
Titel: Schamanen , 1978

Lili Fischer
Schamanen

ANHANG

Rasmussen, K.: Thulefahrt‘ in: ders.: Grönlandsagen, Berlin, 1922, S. 440 ff

So erzählt Rasmussen:

Am dritten Abend des Sturmes wurden wir feierlich /.u einer Geisterbeschwörung in einem der Schneehäuser eingeladen. Der Gastgeber war ein ausgesprochen blonder Eskimo mit kahlem Schädel, rötlichem Vollbart und Augen, die einen leichten Stich ins Blaue hatten. Sein Name war Kingiuna. Der Sturm schien nun auf dem Höhepunkt zu sein. Man mußte zu drei und drei zusammengehen, um sich aufrecht halten zu können. Und man mußte damit rechnen, sich unweit von dem Platze, wo das Fest sein sollte, eine Schneehütte bauen zu müssen. Wir waren alle mit großen Schneemessern bewaffnet und schoben uns, die Gesichter tief aufs Eis hinabgebeugt, auf das kleine Dorf zu, in dem das Fest stattfinden sollte. Kingiuna und sein Partner hatten mich bei den Armen untergefaßt.

‚Das ist der Säugling Narsuk, der da weint, und der Sturm pfeift durch seine Windeln.‘ Und nun erzählt man mir die alte Mythe vom Sohne des Riesen, welcher sich an den Menschen, die ihm Vater und Mutter getötet, gerächt hatte und zum Himmel aufgefahren war, um sich in Sturm zu verwandeln. Heute wollte man im Laufe der Nacht den Grund für den Zorn des Kindes erforschen und versuchen, den Sturm zu zähmen. Der Wind zerrte so stark an uns, daß wir bisweilen stillstanden und uns aneinander klammerten, um nicht in das Preßeis geblasen zu werden, das sich rings um uns auftürmte. Gewaltige Windstöße vom Lande her schlugen wie mit Peitschen auf uns ein; erst nach drei oder…


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