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Ausstellungen: Lüdenscheid · S. 321 - 322
Ausstellungen: Lüdenscheid , 1990

Claudia Posca
schwarz konkret

Städtische Galerie, 23.3. – 6.5.1990

Wenn man Schwarz sieht, sieht man viel, und zugleich sieht man nichts.

Anders gesagt, indem man im Schwarz die Dichte der Gegenwart und die Fülle der Zukunft schaut, sieht man eben darin zugleich eine Leere, die, weil sie als Nichts erscheint, in Raum und Zeit keine Hoffnung erhält.

Schwarzsehen bedeutet, einen zukunftsorientierten Weitblick haben, der pessimistischer Natur ist. Ihm sind Gegenwarts- und Zukunftshorizonte in irgendeiner Art und Weise verstellt. Sie erscheinen einer Verwirklichung entrückt, unerreichbar und durch ein Hindernis derart in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, daß sie sich in Phantasmen, Illusionen, zum Schluß in ein Nichts aufzulösen drohen.

Schwarzsehen heißt Ungutes vermuten; es heißt aber auch Position beziehen für eine Sache, von der man überzeugt ist.

Wenn einem schwarz vor Augen ist, sieht man nichts. Ein Schwindel erfaßt die Sinne angesichts der sichtbaren Dinge und taucht ihr Mannigfaltiges in eine Dunkelheit, die der Nacht ähnlich ist.

Im Schwindel verschließen sich die Augen und gestehen kurzfristig ihre Schwäche angesichts der sinnlichen Präsenz der Welt ein. Die Ohn-Macht ist schwarz; ein undurchdringlicher Schleier hüllt das Sichtbare ein und versteckt es, bis es unsichtbar ist.

Sichtbares und Unsichtbares, Offenbares und Verhülltes, Nähe und Entrückung sind nach diesen Betrachtungen der Verständnisweisen des Schwarz in so unmittelbarer Weise mit der Farbe/Nichtfarbe Schwarz verbunden, daß im Blick auf die Metaphorik der Sprache eben dies sich entbirgt. Es ist vor allem die ambivalente Erscheinungsweise des Schwarz, die sich in der sprachlichen Fassung spiegelt und die der weit verbreiteten Annahme widerspricht, Schwarz sei ein-fach Schwarz und verbinde sich…


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