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Magazin: Symposien & Kongresse · von Ingo Arend · S. 432 - 433
Magazin: Symposien & Kongresse , 1994

Ingo Arend
Spielregeln

Eine Tagung an der Universität Bonn

Spiel ist eine freiwillige und um ihrer selbst willen verrichtete Tätigkeit. Sie entbehrt aller ihrer über ihren Kreis hinausgehenden Zielsetzungen und wird von keiner äußeren Notwendigkeit diktiert.“ Mit diesen Worten aus einem x-beliebigen Lexikon oder ähnlich läßt sich die herrschende ästhetische Auffassung von Wesen und Funktion des Spieles charakterisieren. Im Licht der außerordentlich guten, interdisziplinären Tagung „Spiel, Zivilisation und gesellschaftlicher Umbruch“ unter der Leitung von Professor Bernd Roeck vom Historischen Seminar der Universität Bonn Ende Januar 1993 muß man diese verbreitete Vorstellung vom Spiel wohl etwas relativieren.

Wenn man überlegt, worauf der venezianische Historiker Gherardo Ortalli und Präsident der die Tagung finanzierenden Benetton-Stiftung hinwies, daß der letzte römische Gesamtkaiser Theodosius im Jahre 394 die olympischen Spiele verbot, daß im Mittelalter Kirche und Staat im Gegensatz zu der der spielerischen Muße besonders geneigten Antike viele Spiele verboten oder unter Kontrolle zu bringen versuchten: das sozial akzeptierte Schachspiel dort, das affektbeladene Würfelspiel hier, dann wird man wohl feststellen müssen, daß sie nicht nur einer zweckfreien Sphäre zuzuordnen sind, sondern auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion haben, die über eine belanglose Nebensache hinausgehen.

Die Tagung betrachtete die Entwicklung der Spiele im Lichte der Zivilisationstheorie von Norbert Elias. Die Basis dazu bildete Elias Hauptwerk: „Der Prozeß der Zivilisation“, das bereits in den 30er Jahren entstand aber erst in den 80er Jahren breite Rezeption in nahezu allen Gesellschaftswissenschaften fand. Elias wird man ohne Zweifel in die Reihe von Auguste Comte, Emil Durckheim, Max Weber, Georg Simmel, Theodor Adorno und Jürgen Habermas…


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