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Magazin: Symposien & Kongresse · von Jürgen Kisters · S. 430 - 431
Magazin: Symposien & Kongresse , 1994

Jürgen Kisters
Kolloquium Erinnerung

Moltkerei-Werkstatt, 12.11. – 14.11.1993

Manchmal hat man das Gefühl, daß bestimmte Ereignisse erst in der Erinnerung zu dem werden, was sie sind. So erinnern wir uns an unsere Kindheit, an besondere Momente des Glücks und Unglücks, der Freude und des Leids, vieles, das uns zugestoßen ist, und vieles, das wir gelernt haben in unserer Lebensgeschichte. Die Erinnerung, bewußt oder unbewußt, hält unser Leben zusammen, stiftet seine Einheit, verbindet unsere Erfahrung mit der Vergangenheit in die Zukunft hinein. Während Erinnerung überall und ständig in unserem Leben anwesend ist, ist es selbstverständlich, daß sie auch in der Kunst ein bevorzugtes Thema ist. Die Kölner Moltkerei-Werkstatt hat daher ein dreitägiges Kolloquium veranstaltet, auf dem ganz unterschiedliche Aspekte der Erinnerung angesprochen wurden. Nicht nur das referierende und diskutierende Wort, auch die Kunst selbst (in Performances, Lesungen, Liedern und Installationen) kam dabei zum Tragen, und der rege Publikumszuspruch zeigte, daß bereits das Stichwort „Erinnerung“ viele Menschen in Bewegung setzt.

Was ist die Kunst denn anderes als der Versuch, für eine kurze Zeit Empfindungen und Bilder unserer Erinnerung (wieder) zu beleben? Was bleibt zum Beispiel von einer Performance, die ein einmaliges vorübergehendes Ereignis ist, anderes übrig als die Erinnerung? Und wo etwa ist der Unterschied zwischen den Werken der Kunst und dem Blick in ein „ganz normales Photoalbum“? Eine Performance von Nigel Rolfe am Eröffnungsabend zielte zwischen einer Anspielung auf die Höhlenmalerei von Lascaux und den Elementen der modernen Aktionskunst in einem schwammigen Bereich sprunghafter Phantasiebildung. Doch, so wurde deutlich, machen ein kahlgeschorener Kopf, eine…


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