Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 386
Ausstellungen: London , 2015

Edgar Schmitz

The World Goes Pop

»The EY Exhibition«

Tate Modern, London, 17.9.2015 – 24.1.2016

Das Anliegen der Ausstellung liegt vor allem darin, Diskussionen um Pop Art aus einem vereinheitlichenden und letztlich apolitischen Bezugsfeld zu lösen. In polemischer Abkehr von konservativen und weitgehend a-kritischen Verständnismustern, die sich vor allem auf das Verhältnis zu europäischen und nordamerikanischen Konsummustern konzentrieren, um Pop als Reihe ironisch affirmative Gesten verständlich zu machen, profiliert die Tate aggressivere und gerade nicht nur in den westlichen Zentren angesiedelte Facetten des Pop Universums.

Kuratorisch spielt sich das vor allem an der motivischen Bandbreite und der geopolitischen Einschreibung der gezeigten Arbeiten ab. Das erste Klischee, das hier abgearbeitet wird, ist die Männerdominanz im konsensualisierten Kunstwelt und -markt Verständnis von Pop. Das zweite ist die globale Verbreitung, und damit auch die Ausdifferenzierung der Einbindungen. Nicht nur funktioniert der Bezug auf Konsumkultur von Außenstellen des Konsumkapitalismus aus anders – das Material ist eben nicht ohnehin gegeben und verfügbar, sondern mit Begierden und auch Abwehrimpulsen aufgeladen, die sich an den standardisierten britischen und nordamerikanischen Spielarten so nur viel schwerer ablesen lassen. Auch das verfügbare Formen- und Güterrepertoire ist oft anders strukturiert. Was in den hier präsentierten Arbeiten als verfügbar angesetzt und zum Ausgangspunkt Pop-artiger Arbeiten umformatiert ist, ist eben nicht nur Konsummüll, sondern auch lokale Bildtradition und alltägliches, das weder so kommerziell noch notwendig so industriell verfasst ist, wie die Bestandteile des kunstgeschichtlichen Standardrepertoires.

Von diesen Deplatzierungen aus ergibt sich hier ein anderes Bild von Pop: als Annäherungs- und Aneignungsversuch, als Mobilisierung fremd und feindselig kodierter Inhaltlichkeiten,…

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