Ausstellungen: Bregenz · von Heinz Schütz · S. 370
Ausstellungen: Bregenz , 2006

Heinz Schütz

Tino Sehgal

»Achtung Ausstellung – Fotografieren verboten!«

Kunsthaus Bregenz, 17.8. – 24.9.2006

Wenn sich der Wille des Künstlers Tino Sehgal durchsetzt, gibt es von seinen Arbeiten keine Fotos: Sehgal verhängt über die Präsentation, sprich: die Aufführung seiner Arbeiten ein Fotografierverbot. Die scheinbar einfache und klare Direktive erweist sich allerdings für den, der sie vor Ort praktisch befolgen will, als schwierig. Wie kann ich vermeiden, Sehgals Arbeit zu fotografieren? Die Frage, deren Erörterung Aufschluss über Sehgals Kunst- und Werkbegriff gibt, stellte sich dem Autor dieses Artikels, nachdem er wenigstens ein Foto aufnehmen wollte, das auf Sehgals Ausstellung verweist hat und doch nicht mit dem Aufnahmeverbot kollidiert. Am Ausstellungsort zu fotografieren und dabei die Arbeit nicht zu fotografieren erwies, sich als äußerst schwierig. Warum?

Spätestens seitdem Tino Sehgal auf der letzten Venedig-Biennale Deutschland vertrat, weiß die Kunstwelt, dass Sehgal keine Kunstobjekte, sondern Inszenierungen und Vorlagen für Inszenierungen produziert. Wer in Venedig den deutschen Pavillon betrat, war plötzlich mit dem Aufsichtspersonal konfrontiert, das mit theatralischen Gesten in Richtung Eingang agierte und die Besucher mit dem Satz „This is so contemporary.“ empfing. Inszenierung und performativer Vollzug bestimmen auch die Bregenzer Ausstellung, die wie ein Aufstieg zum Licht angelegt ist: Die Eingangshalle ist völlig verdunkelt, der Besucher sieht nur Schwarz. – Frage: Wäre ein Foto der Dunkelheit, ein Foto von Sehgals Arbeit? Die Erfahrung zumindest, der Dunkelheit ausgeliefert zu sein, lässt sich nicht fotografieren.

Tastet man sich zum Treppenhaus – für diejenigen, die mit den örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut, ein durchaus schwieriges Unterfangen – erreicht man den ersten Stock….

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