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Magazin: Publikationen · von Stefan Römer · S. 453 - 453
Magazin: Publikationen , 1999

Trouble mit der Wahrheit für einen echten Richter des Wahren

Das Lexikon der Fälschungen

Wenn die Leserlnnen dem „Kritiker und Journalisten Werner Fuld“ (Verlagsinfo) über 320 Seiten gesammelte Anekdoten in seinem „Lexikon der Fälschungen“ folgen, dann interessiert besonders, welche Echtheits-Entscheidungskriterien und vor allem, welches Kunstverständnis er zugrunde legt. In seinem Kurztext über den amerikanischen Künstler Mark Kostabi, der „bis 1985 noch selbst malte“ (S. 149), seitdem aber in „seiner Fabrik“ Bilder in Massen produziert, bestreitet Fuld zwar berechtigterweise Kostabis Anspruch, die „Heuchelei des Kunstmarktes“ sowie „die Antiquiertheit des Originalbegriffs“ zu entlarven. Kostabis Kunstproduktion jedoch zu unterstellen, sie gehorche lediglich den „kapitalistischen Gesetzen des Marktes“ und dem „allgemein verbreitete[n] Bedürfnis nach schlechten Bildern“, verfällt schlechtweg einem Kulturpessimismus, der eine Kunst idealisiert, die angeblich frei von Beziehungen zur Ökonomie existieren könnte.

Schlägt man bei Fuld unter „Foucault“ nach, so liest man dort, Foucaults Reputation habe stark gelitten, als herauskam, daß er in dem Buch „Der Fall Rivière“ (1973) seine Quellen der Theorie angepaßt hatte. Fuld schließt den Artikel mit der Suggestivfrage: „Nach dieser Enthüllung fragt man sich zu Recht, welchen Aussagewert dann wohl die anderen zitatenreichen Werke dieses Modephilosophen haben.“ (S. 82) Obwohl vermutlich kaum jemand mehr auf die Kontextabhängigkeit der eigenen Gedankengänge und somit die Konstruktion von diskursiver Wahrheit hingewiesen hat als die Philosophen der sogenannten Postmoderne, zu denen Foucault als „Modephilosoph“ zu rechnen ist, soll ihm ohne Angabe von Gründen ein Strick gedreht werden. Vor allem das Wort „Mode“ scheint für Fuld die größte Deklassierung zu bedeuten: Auch unter dem Namen „Alan Sokal“,…

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