Ausstellungen: Köln · von Renate Puvogel · S. 333
Ausstellungen: Köln , 2002

RENATE PUVOGEL

Uschi Huber

Chelsea Kunstraum, Köln, 28.6. – 13.9.2002

Die Kölner Fotografin Uschi Huber hat die beiden Ausstellungsräume optimal genutzt: Im Hauptraum hängen, zu Vierer- und Sechserblocks verbunden, ausschließlich Fotos ihrer neuen Serie „Anlagen“ von 2001/02. Zudem kann man hier auf Couchniveau unbehelligt das Video „Yalla Playback“ anschauen. Im Nebenraum findet sich dann ein Fries markanter Beispiele der inzwischen als Buch veröffentlichten Fotoserie „Autobahn“. Was bei diesem Thema nahe liegt, nämlich der Schwerpunkt auf Unbehaustheit und Ortlosigkeit, würde man bei Fotografien von Hotel- und Ferienanlagen gemeinhin nicht erwarten. Dennoch führen auch diese Fotos begehrte Feriendomizile auf Lanzarote, an der Küste Spaniens und in Eilat, Israel, gewissermaßen als Nicht-Orte vor, weil Huber sie in unwirtlicher Nachsaison aufgesucht hat. Träume eines Durchschnittstouristen, der für eine Weile dem trüben Himmel Mitteleuropas entfliehen und sich in südlicheren Breiten auf meeresnaher Sonnenterrasse, im Swimmingpool, an der Hotel-Bar oder am Büffet verwöhnen lassen möchte, weichen in den Fotos herber Ernüchterung. Haben sich derlei Paradiese ohnehin klischeehaft und austauschbar dem Gedächtnis eines einigermaßen kulturkritischen Zeitgenossen eingeprägt, so löst sich ohne die belebende Anwesenheit von Menschen eine dieserart imaginierte Idylle in nahezu erbarmungslose Wirklichkeit auf. Die kulissenhafte Künstlichkeit der real existierenden Szenerie scheint bloß zu liegen.

Huber entlarvt die fatale Deckungsgleichheit von Realem und Künstlichem der Anlagen. In verwaistem, menschenleerem Zustand offenbaren diese, wie man sehen kann, ihr wahres Gesicht als aus unserer Wunschvorstellung von Exotik hergeleiteten, aus Versatzstücken gebastelten, inselartigen Modellstädte. Huber fokussiert in ihren ausschnitthaften Fotos Grenz- und Übergangszonen zwischen touristisch und technisch genutztem Areal, zwischen bebautem und noch…

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