Ausstellungen: Köln · S. 438
Ausstellungen: Köln , 1989

Jürgen Raap

Volker Hildebrandt

„Bilder für Blinde – Neue Belege“

Karin Bolz Galerie, 20.1.-1.3.1989

Drei schwarze Punkte auf gelbem Grund sind indexikalisches Zeichen für Blindheit. Volker Hildebrandt bietet solche Blindenpunkte für jeden Anlaß und jede Person, in schwarz für die „Nachtwache“, in rosa für den „Transvestit“, oder in jene Farbtafeln aufgelöst , mit denen man beim Augenarzt auf Farbblindheit getestet wird. Schon allein der Ausstellungstitel „Bilder für Blinde“ verrät eine Vorliebe für das Paradoxe und Absurde: Was zeigt man jemandem, der nichts sehen kann? „Stil der Zeit: auf und ab“ heißt es lakonisch und widersinnig zugleich, denn merkwürdigerweise meint das englische Wort „up“ genau die entgegengesetzte Richtung wie das phonetisch gleiche deutsche „ab“.

Zwei Jahre lang hatte Volker Hildebrandt keine Bilder gemalt, sondern nur Bildtitel erstellt, die auf Messingschildchen eingraviert waren, wie man sie im Museum an die Bilderrahmen schraubt. Dabei tauchten in jenen Texten unbewußt und zufällig immer häufiger Sätze auf, die im Fernsehen auf Unterbrechungen und Übertragungspannen hinweisen: „Bildstörung! Wir bitten um etwas Geduld!“ Damit war ein Anlaß gegeben, sich mit den Auswirkungen der Medienbilder auf unser Bewußtsein näher zu beschäftigen. „Ein Gehirn wäscht das andere.“ Bilder und Objekte, die mit schwarzen, weißen und grauen Flimmerpunkten in pointillistischer Manier überzogen sind, wie beim Schwarz-Weiß-Gerät nach Sendeschluß. Der Störfall des Rauschens und des „Schnees“ tanzender Zeilenpunkte wird zum Normalfall erhoben, und Volker Hildebrandt setzt damit nicht nur medienkritische Akzente, sondern deutet auf einen grundsätzlichen Bruch zwischen Tradition und Moderne, in welchem die Zeitumstände und der Vollzug mancher Rituale keine Einheit mehr bilden, die benutzten…

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