Titel: Kunst ohne Werk · von Marion Strunk · S. 120
Titel: Kunst ohne Werk , 2000

MARION STRUNK

Vom Subjekt zum Projekt

KOLLABORATIVE ENVIRONMENTS

Innovationen werden von Einzelnen vollbracht, heißt es. Doch was kluge Köpfe für ihre Ideen oder Gedanken halten, ist nicht ihr einzigartiges, persönliches Eigentum. Das Neue gibt es nicht als das Noch-nie-Dagewesene oder als das ganz Andere. Was einmal gedacht wurde, kann wieder gedacht werden. Alle wissen es: Personen, schreibende, malende, filmende, musizierende und alle anderen eignen sich Ideen und Gedanken an, machen Dichtung, verdichten und verlieren dabei die Anführungszeichen. Es kommt nicht darauf an, etwas neu zu erfinden, denn alles ist vorhanden und noch viel mehr. Es kommt darauf an, das eine mit dem anderen zu verbinden, und ein Band zu weben, das die einzelnen Elemente zusammenhält. Begriffe wie das „Wahre“ oder „Falsche“ verlieren darin ihren Sinn. „Drum klaut Ideen und verschenkt die besten!“, heißt es im „Ersten Manifest großer und angesehener Künstlerinnen“, Basel 1999.

I. Der Autor

In der gegenwärtigen theoretischen Kritik findet die Idee von der Autonomie des Subjekts aus der klassischen Philosophie keine Bestätigung. Hatte die Moderne ihre Einheit in Form von Weltbildern entworfen, die eine gemeinsame Identität festschrieben, kann im aktuellen Diskurs keine und keiner eine Legitimation ausmachen, über das Ganze zu sprechen. Zwei miteinander in Konflikt stehende und voneinander abhängige Strömungen können sich anscheinend nicht mehr dialektisch aufeinander beziehen, um in einer Synthese aufgehoben zu werden. Das moderne Konstrukt des vereinheitlichten und scheinbar autonomen Subjekts ist erstarrt und im Stupor gefangen, unflexibel in die Versprechen der Erlösung verstrickt, aus denen es als enttäuschtes, melancholisches Ich hervorkommen konnte. Autonomie wird als Vorstellung der…

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