Gespräche mit Künstlern , 2000

GÜNTER BRUS:

»Die Realität hat heute eine Gestalt angenommen,
die einem wie ein Traum vorkommen muss«

EIN GESPRÄCH VON JENS RÖNNAU

In seiner österreichischen Heimat war Günter Brus in den 60er Jahren das Enfant terrible, der „meistgehasste Österreicher“, weil er es neben seinen Kollegen des Wiener Aktionismus Muehl, Nitsch oder Schwarzkogler gewagt hatte, die bürgerliche Biederheit mit provozierenden Aktionen zu erschüttern. Einer Haftstrafe entzog er sich durch Flucht nach Berlin. 1970 fand in München Brus letzte Aktion „Zerreißprobe“ statt. Seitdem widmet er sich ausschließlich zweidimensionalen Bild- und Textdichtungen, von denen die erste, der „Irrwisch“, seit ihrer Entstehung 1971 wegen ihrer drastischen Bilder und Texte bis heute die am meisten diskutierte ist. 1997 wurde Günter Brus der Große Österreichische Staatspreis verliehen. Seit 13 Jahren lebt und arbeitet Brus abwechselnd in Wien und auf der Insel Gomera. Die Aufenthalte auf der Insel hat er allerdings 1999 auf die Insel Lanzarote verlegt.

Eine seiner letzten Ausstellungen zeigten jetzt nacheinander die Kunsthalle Tübingen, die Kunsthalle zu Kiel und die Neue Galerie der Stadt Linz von Oktober 1999 bis Juni 2000. Sie klammert eine Darstellung der Aktionen von Brus aus und zeigt retrospektiv die fast 30 Jahre seines bildnerischen und textlichen Schaffens. Schwerpunkte der Schau waren der „Irrwisch“ als früheste sogenannte Bilddichtung und die 1999 entstandene „Leuchtstoff-Poesie und Zeichen-Chirurgie“, die in einem Raum gegenübergestellt wurden. Beide Werke liegen als Künstlerbuch vor, wie viele der anderen Bilddichtungen auch, von denen die Ausstellung immerhin 28 mit insgesamt 707 Blatt zeigte.

Es sind Bilder zwischen Liebe, Lust und Leid, zwischen zarter Poesie, härtester…

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