Titel: Kunst ohne Werk , 2000

EDITORIAL

Was ist (Kunst)?

VON PAOLO BIANCHI

Mitten in der Kunst – ohne Werk. Mitten im Kino – ohne Bilder. Mitten im Theater – ohne Drama. Und trotzdem entsteht eine starke inhaltliche Wirkung. Eine faszinierende Zumutung? Ein Geheimnis? Ein einsames Spiel? Ein Manifest gegen die Kunst? Gegen eine marktwirtschaftlich durchorganisierte Spaß- und Animierkultur? Gegen den Konsumrausch und das als endlose Party inszenierte Leben? Der Verzicht als Widerstand gegen die Missstände in der Welt? Askese statt „anything goes“? Zen für die Kultur – Künstler auf der Suche nach dem Nichts? Besteht die Meisterschaft im Auslassen, im Zeigen der Leere, im Schweigen? Geht’s um die Sabotage aller Ideen und Bilder? Um den Untergang der abendländischen Kunstwelt? Soll das Werk sterben? Was wäre der tiefere Sinn dieser Auflösungskur? Oder ist die Absenz die eigentliche Anwesenheit? Ist der ideale Ort zum Kunstmachen der Kopf? Sollen wir mit den Ohren sehen und mit den Augen hören? Die Zunge geht ins Auge, das Auge unter die Haut? Früher machten wir Pläne. Heute sprechen wir von Projekten. Die Sehnsucht nach Performance wächst.

Das Eindringen avantgardistischer Ismen in den Kunstbetrieb ist nicht länger möglich. Sie wurden durch Ideen und Kontexte abgelöst. Klar ist zu sehen, dass Ereignis und Environment, Poetik und Performance – alles in einem – an ihre Stelle treten.

Auf der Suche nach dem Ursprünglichen und Unmittelbaren kann sich der Don Quichotte der Ästhetik schon mal in der ausgedehnten Kampfzone zeitgeistiger Widersprüche verirren. Trotzdem: Nichts ist unmöglich in der Kunst. Die Ästhetik der Existenz führt im Lebenskunstwerk zur Vereinigung von Dingen…

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