Ausstellungen: Köln , 2005

JÜRGEN RAAP

Wolf Vostell

Bilder 1960-1995

Galerie Inge Baecker, 10.9.2004 – 20.10.2004

Inge Baecker zeigt einen Werküberblick mit Bildern eines Künstlers, der sich in den sechziger Jahren hauptsächlich mit seinen Happenings und als Pionier der Medienkunst einen Namen machte. Bereits 1958 arbeitete Wolf Vostell mit Fernsehapparaten als Medienskulpturen und mit der Videotechnik, die man damals schon bei Überwachungskameras einsetzte. Vostells Décollage-Begriff rekurriert auch auf das Fernsehbild, das er analog zum Abreißen von Plakatwänden zerlegte, und ebenso auf seine Happenings. So führte er z.B. 1963 in Wuppertal „9 Décollagen“ auf. Dabei geleitete er das Publikum in einen Steinbruch, wo er auf einen TV-Apparat schoss und ihn implodieren ließ.

Wolf Vostell hat sich jedoch immer dagegen gewehrt, die Décollage als eine „Philosophie der Zerstörung“ anzusehen. Die Abkehr vom Tafelbild war zwar eines der Grundthemen der Kunst in den sechziger Jahren gewesen, und dies geschah bisweilen mit provokativer Aggressivität. Dennoch sind Lucio Fontanas zerschnittene Leinwände keineswegs nur als destruktiv zu deuten, und auch für Vostell repräsentieren „die täglichen Verkehrsunfälle, Flugzeugabstürze und Naturkatastrophen“ die eigentliche Zerstörung.

Eines der Exponate aus dem Jahre 1970 zeigt ein „Fernsehkreuz“ – zwei Monitore stehen inmitten der kleeblattförmigen Anordnung eines Autobahnkreuzes. 1967 hatte er bereits den Kölner Dom von solchen Autopisten eingerahmt und vom urbanen Leben abgeschnitten. Damals zerstörten tatsächlich die Stadtplaner die Innenstädte, indem sie Schnellstraßen als Schneisen zwischen die Häuserzeilen schlagen ließen, weil sie die „autogerechte Stadt“ wollten.

Fernseher und Autos galten in jenen Jahren als Inbegriff einer Wohlstandsgesellschaft, „die einfach drauflos lebt“, so Vostell 1977 in einem Zeitungsinterview. Später setzt Vostell in seinen…

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