Ausstellungen: Zürich · von Paolo Bianchi · S. 368
Ausstellungen: Zürich , 2003

PAOLO BIANCHI

Yves Netzhammer

Helmhaus Zürich, 24.1. – 16.3.2003

Alles ist besonders: die Atmosphäre, die Farben, die Geräusche, die Musik, die Bilder, die Geschöpfe und der Titel. Jemand sitzt auf einer Schaukel in einem Papageienkäfig, der sich in eine Art Baum und Wald verwandelt. Früher waren die Wälder das Symbol des Geheimnisvollen, Schicksalhaften und Ungeheuren einer Welt, die noch etwas ganz anderes war als man selbst. Aus diesen Wäldern ist das Dickicht von menschlichen Angelegenheit und Symbolen geworden. Die gleiche Figur kippt vornüber in einen Baumstrunk, auf welchem kurz davor Panzer kreisten und sich mit Farbbeuteln bekämpften. Haben wir es mit einem lebensmüden Antihelden zu tun?

Der Titel der Filmarbeit lautet geheimnisvoll „Die überraschende Verschiebung der Sollbruchstelle eines in optimalen Verhältnissen aufgewachsenen Astes“ und beschreibt die Gefühlsbiografie eines computergeborenen Wesens mit menschlicher Figur, jedoch ohne Gesicht und Geschlecht. Der Schweizer Yves Netzhammer (geboren 1970) entwirft in seiner bisher größten Einzelausstellung in einem Museum modellhafte Geschichten vom Werden und Vergehen in technoiden Bilderströmen. Netzhammer ist der Rembrandt der multimedialen Kunst. Sein Name wirkt als Markenzeichen für zum Sterben schöne Aufnahmen. Seine Bildwelten sind steril, aseptisch und visionär. Nahrung für den Zeitgeist.

Durch die räumliche Inszenierung der 14-teiligen Videoprojektion eines Menschen, der als reine Hülle aus der 3D-Software geboren wurde, entpuppt sich Netzhammer als „Medienmaler“ par excellence. Er benutzt die Maus als Maljoystick und versteht es, den Menschen so ins Licht zu rücken, das seine Verstrickungen in die Bedingungen des Daseins unmittelbar mitgefühlt werden können. Die Kommunikation seiner Figuren erfolgt nonverbal über Gesten, Blicke und Riten. Papageien…

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