Magazin: Symposien & Kongresse , 1996

Ingo Arend

Zauber der Berührung

»Understanding museums«.

Eine Tagung des Karl-Ernst-Osthaus-Museums zur Zukunft des Museums in der Evangelischen Akademie Iserlohn

Im Museum stößt eine schweigende Welt auf eine tote Welt. Die Gegenstände erwecken den Eindruck, als seien ihnen die Augen zugebunden worden. Erlaubt sind nur die Augäpfel – Museum als Peep-Show. Erlaubt sind nur die Augäpfel auch bei der Identifikation der tiefgekühlten Leiche Museum als Leichenschauhaus – mit korrektem Karteihinweis am großen Zeh der Objekte.“

Die Klage, die Michael Fehr, Direktor des Hagener Karl-Ernst-Osthaus-Museums, Anfang Februar in der Evangelischen Akademie Iserlohn zu Beginn der dritten Tagung eines Konferenzzyklus zur Zukunft der Museen vortrug, ist nicht neu. Museum als stillgestelltes Leben – diese Krise ist so alt wie das Museum selbst. Doch seit der amerikanische Medienmogul Bill Gates die Bilder der Londoner National Gallery auf CD-Rom speichern ließ und sich mit dem Kauf des berühmten Batmann-Foto-Archivs zum Herrn von 16 Millionen Bildabzügen machte, fürchten die Museen ihr endgültiges Aus im bevorstehenden virtuellen Totalitarismus.

Die Krise als Chance nutzen. Fehrs Konferenz war als Anstoß gedacht, die elektronische Zeitwende zu nutzen, um aus dem toten Museum endlich ein lebendiges zu machen. Eine bestechende These, daß ausgerechnet mit Gates‘ globalem Cyberspacemuseum mit seinen inzwischen über 500000 digitalisierten Bildern die alte, längst in tausend Spezialmuseen zerfallene Idee des bürgerlichen Museums Gestalt annimmt, so Fehr in seinem Eingangsstatement zur Konferenz, universale Entwicklungsgeschichte abzubilden. Ob das reale Museum dadurch eine neue Chance erhält: als ästhetische Gegeninstanz zur Klickkultur und als Gesellschaftslabor ohne die pädagogische Zwangsjacke von Stilkunde und Chronologie?

Die Iserlohner Bestandsaufnahme zeigte, daß…

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