Ausstellungen: München , 1989

Gabi Czöppan

Zvi Goldstein

„The Glory Of Abstraction“

Kunstraum, 14.2.-16.3.1989

Lebt die Idee revolutionärer Utopie, wie sie die russischen Konstruktivisten in ihren Manifesten formulierten, wieder auf? Die Frage stellt sich unweigerlich im Kunstraum. Neben einem künstlerischen Manifest „Abstraktion und Revolution“ verweist Zvi Goldsteins zweiteiliges Raum-Wand-Ensemble unmißverständlich auf den Konstruktivismus, nach dessen Kunstverständnis Bilder bekanntlich keine Tatsachen abbildeten, sondern als Komposition aus Formen und Farben selbst solche darstellten.

Auf diese Forderung nach autonomer Kunst beruft sich Zvi Goldstein. Auf gegenüberliegenden Wänden ar-rangiert er unter den Motti „The Glory Of Abstraction“ und „The Glory Of Morphology“ aus bemalten Metall- und Holzrechtecken, Gittern, Säulen und Kästen ein ausschließlich auf Grau- und Weißtöne reduziertes, geometrisches Gedankenmodell, das erst durch das beigefügte Manifest „Abstraktion und Revolution“ von 1985/88 an Bedeutung gewinnt. In dem einen Raum sind sechs Wandarbeiten zu sehen, die stark an Lissitzkys Linienkonstrukte, Mondrians Monochromie oder den Minimalismus der de Stijl-Gruppe erinnern. Genau gegenüber, in dem zweiten Raum, entsteigt aus den grauweißen Farbfeldern eine Regalstruktur in den Raum, deren industrielle Musterhaftigkeit sich jedoch im Beliebigen verliert. Die Tafeln der Arbeiten sind jeweils mit kleinen Schriftzügen wie „Social Category“, „Mental Categories“ und „Construct Quality“ versehen.

Der 1947 in Rumänien geborene Israeli, der sowohl auf der letzten Biennale (aperto) als auch auf der documenta 8 vertreten war, schafft mit ihnen einen konzeptuellen Vorstellungsraum für seine Idee sozialer Utopie. Goldstein will westeuropäische Avantgardekunst an die Dritte Welt vermitteln. Bereits in seiner documenta-Arbeit verweist er darauf: Ziel der Kunst sei „die Erstellung eines neuen ästhetischen, hochabstrakten Denkwerkzeugs, mit dessen Hilfe das Proletariat sein…

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