Ausstellungen: München · S. 454
Ausstellungen: München , 1989

Hanne Weskott

Paul Delvaux

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, 20.1.-19.3.1989

Einige inspirierte Bilder“ haben wir Paul Delvaux zu verdanken, so stand es im Surrealismus-Katalog von 1972. Immerhin war Delvaux damals bereits 75 Jahre alt und seit 50 Jahren Maler. „Einige seiner Bilder“, das wäre nun doch zu wenig, um in einer großen retrospektiv angelegten Schau geehrt zu werden. Tatsächlich genießt der heute 91jährige Künstler großes Ansehen und wird gerne in einem Zuge mit seinem um ein Jahr jüngeren Landsmann und Malerkollegen Magritte genannt. Aber Delvaux hat nie geleugnet, daß er von Magritte wie auch von de Chirico gelernt hat, ja erst durch sie und ihren gemeinsamen Freund E. L. T. Mesens, einem surrealistischen Dichter, seinen Stil gefunden hat. So wird er neben Magritte immer als der zweite surreale Maler Belgiens bezeichnet, eine Zuordnung, die er selbst verneint, und das teilweise zu Recht. Er hat zwar in den 40er Jahren einige bedeutende surrealistische Bilder gemalt, sich aber im Laufe der Zeit davon immer mehr entfernt. Beherrschender Gegenstand seiner Bilder in den folgenden Jahrzehnten ist die mehr oder weniger unbekleidete Frau. Sie kann Kurtisane oder kluge Jungfrau sein, badende Nymphe oder grande dame, aber sie wird nie schwülstig oder sexy sein, sondern bewegt sich immer mit schlafwandlerischer Sicherheit in einer Welt, die mehr wie eine Puppenstube als von einer surrealistischen Warte aus gesehen wird. Immer mehr mischt er einige Stilmittel naiver Kunst in seine Malweise und nähert sich so gefährlich der Grenze zur kitschigen Süßlichkeit. Der Bruch in diesen Bildern liegt dann nur noch in der mit…

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