Ausstellungen: Stuttgart · S. 453
Ausstellungen: Stuttgart , 1989

Heinz Thiel

Lambert Maria Wintersberger

„Neue Bilder 1986-1988“

Walter Bischoff Galerie, 10.2.-30.3.1989

Der Überblick über zwei Jahre malerisches Schaffen konfrontiert den Betrachter zuerst einmal mit der ungebrochenen Vitalität von Lambert Maria Wintersberger und dann fast ebenso deutlich mit der inneren Unruhe. Selten hat Wintersberger in seinem Ouvre so viele Themen und Motive angetippt und auch fixiert. Ein mehrmonatiger Aufenthalt in Omaha/Nebraska hat ihn bewogen, sich wieder einmal mit dem Portrait als Thema auseinanderzusetzen. Die amerikanische Freude am monumentalen Herausstreichen der Figur läßt die Köpfe wie aus Stein gemeißelt erscheinen. Die Farben sind in diesem Sujetkreis deutlich flächiger gesetzt; der Hintergrund schließt sich und isoliert den Gegenstand.

Ausgedehnte Reisen haben die Atelieraufenthalte unterbrochen, und das hat dazu geführt, daß die Formate kleiner wurden und Wintersberger zu Acrylfarben griff, die ein zügigeres Arbeiten erlaubten als die von ihm bevorzugte Ölmalerei. Das vor allem brachte den plastischen, skulpturellen Aspekt in die Arbeiten von 1988.

An einzelnen Arbeiten läßt sich auch deutlich die Ateliersituation ablesen – eine Serie von neuen mittelgroßen Papierarbeiten entstand, nachdem Wintersberger sich ein abgelegenes, aber dunkles Atelier gesucht hatte. Wenige Farben auf schwarzem Hintergrund konturieren die Arbeitssituation: ein vergittertes Fenster in blau; die Andeutung einer Leiter und die „Ahnung“ einer Figur, die ein Fensterteil hochschiebt. In wenigen Strichen hat Wintersberger den Eindruck beim Betreten des Raumes beschrieben. Es sind nahezu kaligraphische Bilder geworden. Dennoch sind sie im Werkzusammenhang von Wintersberger nicht fremd; sie beinhalten einige der wichtigsten Elemente seiner Malerei: Er baut das Bild über die Farbe auf, setzt aber die Farbe durchaus für konträre Aussagen…

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