Band 274

ÜberLeben und Kunst

Bedingungen künstlerischer Existenz

Ist es Beruf oder Berufung? Originalität, Einsatz- und Risikobereitschaft sind stillschweigende Voraussetzungen des Künstlerdaseins. Kunst ist für Künstler*innen meist Anstoß einer offenen, faszinierenden Selbstverwirklichung. Dabei ...

Ist es Beruf oder Berufung? Originalität, Einsatz- und Risikobereitschaft sind stillschweigende Voraussetzungen des Künstlerdaseins. Kunst ist für Künstler*innen meist Anstoß einer offenen, faszinierenden Selbstverwirklichung. Dabei sind die Lebensentwürfe hin- und hergeworfen zwischen der Glorifizierung eines prekären Künstlerindividualismus und einem kompetitiven Neoliberalismus – mit Folgen für die künstlerische Positionierung: Bleibt man seiner künstlerischen Überzeugung treu oder geht man, um ins Geschäft zu kommen, mehr Konzessionen ein? Die Pandemie zeigt einmal mehr, wie schnell Kunst zur Überlebenskunst und Berufung zum Verhängnis werden. Der vorliegende Themenband von Gastherausgeber Martin Seidel rückt die künstlerische Existenz als Ganzes ins Zentrum. So erklärt das Galeristenduo Saskia Draxler und Christian Nagel im Interview: „… Künstler*innen sollten etwas wollen und dafür etwas wagen“. Und Magnus Resch spricht über Selbstvermarktung und Unternehmertum. Aber ist Kunst „Business as usual“? Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen offenbaren die Misere eines Systems. Paul Kaiser beispielsweise untersucht die strukturellen Dysbalancen mit dem Macht- und Prestigegewinn des Privatsammlers und dem Handlungsverlust der Museen, während Philip Kovce die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens hinterfragt. Hinter all dem steht die Frage: Wie können sich unter den gegebenen Umständen Künstler*innen behaupten und der Kunst ihre Systemrelevanz sichern?


Alle Beiträge aus dieser Ausgabe

Titelbeiträge

Carl Spitzweg, Der arme Poet (Detail), 1839, Öl, 36 × 45 cm, Neue Pinakothek, München

ÜberLeben und Kunst.

Bedingungen künstlerischer Existenz

Leben und leben lassen

Zur wirtschaftlichen und sozialen Situation bildender Künstler*innen

Martina Schöne-Radunski, Julia Zange, Katja Weilandt in DER LANGE SOMMER DER THEORIE, Buch und Regie: Irene von Alberti © Filmgalerie 451

Einkommen ohne Auskommen und umgekehrt

Künstlerische Existenz in Stichworten

Keith Haring 1990, Foto: picture-alliance / dpa | Elsner

Better be rich. Or crazy.

Erfolgsvoraussetzungen und Hindernisse für künstlerische Karrieren

Art Basel Miami Beach 2006, Foto: BMW Group AG

Schwindelgefühl im Umbruch

Die Dynamik des Wandels beschleunigt die Fliehkräfte des Kunstsystems

Künstlerische Existenz zwischen Kunst und Migration(en)

von Ansgar Schnurr und Jana Tiborra

Looking for a Gallerist, Venedig Juni 2013, Foto: Dirk Boll

Handelswege der Kunst

Von der Selbstvermarktung zur Galerievertretung und zurück

Selbst denken und gut zuhören

Kunstmarkterwartungen an Künstler*innen - Ein Gespräch mit Saskia Draxler und Christian Nagel

Der Künstler Jim Chillington malt ein Bild der New Yorker Börse vor der Schluss glocke an der NYSE an der Wall Street in New York City am Dienstag, 24. November 2020. Der Dow Jones Industrial Average schloss zum ersten Mal in der Geschichte über der 30.000er Marke, Foto: John Angelillo / UPI Photo via Newscom picture alliance

Künstler, packt Eure Sachen und zieht nach NYC

Ein Gespräch mit Magnus Resch

Installationsansicht: Guillaume Maraud, „12.09. – 22.11.2020“ Public consultation, 2020, in Not Working – Künstlerische Produktion und soziale Klasse, Kunstverein München, 2020. Courtesy: Kunstverein München e.V.; Foto: Sebastian Kissel

Zweierlei Maß: Wert der Kunst und Wert der künstlerischen Arbeit

Kunst und Kreativität als Kapital

Generation Grundeinkommen, Freedom for Money, Safe der ehemaligen Schweizerischen Volksbank, unternehmen mitte, Basel, Januar 2014, Foto: Stefan Bohrer

Die Kunst des Grundeinkommens

Eine Retrospektive

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, ©Tino Zimmermann

Woher wir kommen, wohin wir gehen

Lebensphase Kunststudium

Schirin Kretschmann, Another perfect day, 2015, Foto: Sandra Köstler, © VG Bild-Kunst Bonn

Ziele neu justieren

Schirin Kretschmann, Künstlerin und Professorin für Malerei an der Akademie der bildenden Künste München

Annette Hermann, Bezugspunkte, 1999, Installationsansichten, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Courtesy: Künstlerin – Das Atelier als Raum für Reflexionen über die Initiierung künstlerischer Bildungserfahrungen

Im Spannungsfeld

Kunst und Lehramt - Ein Gespräch mit Annette Hermann

Fragen zur Zeit

Scheinbar bleibt alles beim Alten: Ein kleiner Stapel 500- Euro-Noten bildet das Stammkapital der „Aktiengesellschaft“ von Maria Eichhorn. Die Arbeit ist so konzipiert, dass es zu keiner Wertsteigerung kommt. Doch steigt die Inflation, sinkt der reale Wert der 50.000 Euro. Mithin wird Eichhorns Installation zur Metapher für die aktuelle Lage. Denn so wie die Scheine trügen, so trügt oft der Schein – eine Erfahrung, die im Covid-19-bedingten Lock-up-anddown immer wieder neu zu machen ist. © Maria Eichhorn / VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Werner Maschmann

Eigensinn und Nullsummenspiel

Warum die Wahl von Maria Eichhorn zu Venedig passt und die Künstlerin doch nicht zum Zuge kommen könnte

Monografien / Gespräche mit Künstlern

Julio Le Parc, 2014, Foto: Aldo Cessa, Courtesy: atelier le parc

Julio Le Parc

Der Regenbogenmacher

Linda McCue

Gewebe der Dinge

Christian Eisenberger

Jede Ausstellung müsste eigentlich Einstellung heissen!

barbara caveng

„Mein Reichtum besteht aus den Erfahrungen, die ich bei Begegnungen mit Menschen mache.“

Essay

Kasseler Kunstverein, Fenster-Ausstellung Cholera – I thought I should never speak again, Kollektiv RHO und Chor Γλωσσα (glossa), Februar–März 2021, Foto: Nicolas Wefers

Pandemische Einsichten

Anmerkungen zum Format der Fenster-Ausstellung

Close a door to open a window.

Pandemische Isolation, Körper und Kunst

Die Ausstellung

Theaster Gates, Gone Are the Days of Shelter and Martyr, 2014, Video, Ton, Farbe; 6:31 Minuten, Courtesy: White Cube und Regen Projects, Los Angeles

Grief and Grievance: Art and Mourning in America

Die Fragmente der Trauer. Zu Okwui Enwezors Vermächtnis-Ausstellung im The New Museum, New York. Ein Gespräch mit Massimiliano Gioni

Ausstellungen

Amelie von Wulffen, Petting 1+2, 2017, Öl auf Holz, 62 × 77 cm, Courtesy: Sundblad Familiensammlung, Foto: Joerg Lohse

Amelie von Wulffen

KW Institute for Contemporary Art 28.11.2020–24.05.2021

Meg Stuart, Intermission, 2020, Filmstill

CC: World

A series of digital letters in times of the pandemic 2019–2022

Haus der Kulturen der Welt

David Ostrowski, F (Simply Red), 2006 / 2020, Öl und Acryl auf Leinwand, 51 × 41 cm, © David Ostrowski, Courtesy: Sprüth Magers, Foto: Mareike Tocha

David Ostrowski

„So kalt kann es nicht sein / It can’t be that cold“

Sprüth Magers 03.03.– 10.04.2021

Uwe Lausen, Ende schön, alles schön, 1967 Caparol auf Leinwand, 178 × 148,5 cm, Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser, Foto: PUNCTUM / Bertram Kober, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Du lebst nur keinmal

Uwe Lausen und Heide Stolz. Ein Künstlerpaar der 1960er Jahre

Museum Gunzenhauser 15.11.2020–16.05.2021

Hanne Darboven, 1987, © Hanne Darboven Stiftung, Hamburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Hermann Dornhege, Münster

Hanne Darboven

Der Regenmacher

Museum Küppersmühle für Moderne Kunst 10.03.–16.05.2021

Martin Kippenberger, The Happy End of Franz Kafka’s ,Amerika‘, 1994, Installationsansichten Museum Folkwang, Essen 2021, © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln, Foto: Simon Vogel

2 × Kippenberger

The Happy End of Franz Kafka’s ‚Amerika‘

Museum Folkwang/ Villa Hügel 11.03.– 16.05.2021

Rainer Fetting, Foto: Roland Baege / Dortmunder U

Rainer Fetting

Dortmunder U 29.11.2020–05.04.2021

Alison Yip, Vague, 2020, Öl auf Leinwand, 23 × 19 cm, Courtesy: die Künstlerin und Dortmunder Kunstverein, Foto: Simon Vogel, © Dortmunder Kunstverein

Alison Yip

Bare Heel Country

Dortmunder Kunstverein 31.10.2020–02.05.2021

Hiwa K, This Lemon Tastes of Apple, 2011, Video, Foto: Achim Kukulies, Courtesy: Hiwa K & KOW Berlin

Hiwa K

All Cities Have Destruction in Common

Museum Abteiberg 11.03.– 09.05.2021

Heinz Mack in seinem Atelier in Deutschland, 2013, Foto: Archiv Atelier Heinz Mack

Heinz Mack

Museum Kunstpalast 30.03.– 30.05.2021

Herero und Nama Aktivistinnen protestierten schon mehrfach in Deutschland für eine Wiedergutmachung des Genozids in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südafrika, dem heutigen Namibia. Foto: © Joachim Zeller

RESIST!

Die Kunst des Widerstands

Rautenstrauch-Joest-Museum Köln 29.01.– 11.07.2021

Mariana Castillo Deball, Pleasures of Association, and Poissons, such as Love –, 2021, Ausstellungsansicht, MGKSiegen, Courtesy: die Künstlerin, Foto: Philipp Ottendörfer

Mariana Castillo Deball

Amarantus

Museum für Gegenwartskunst 29.01.– 30.05.2021

Lee Miller, Müder Junge wartet an einer Kreuzung auf Evakuierung (Raymond Melchers, 7 Jahre alt), leweschtgaass, Bech, Luxemburg 1945, © Lee Miller Archives England 2021. All Rights Reserved. www.leemiller.co.uk

Lee Miller

Hautnah. Fotografien von 1940 bis 1946

Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen 10.02.– 25.07.2021

© Anselm Kiefer; Foto: Atelier Anselm Kiefer

Anselm Kiefer

Kunsthalle Mannheim 13.11.20 bis 22.08.21*

Phyllida Barlow. Frontier, Installationsansichten, Haus der Kunst, 2021, Foto: Maximilian Geuter

Phyllida Barlow

frontier

Haus der Kunst 10.03.–25.07.2021

Rosemarie Trockel, Ohne Titel (RT 957), 2000, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Sonne um Mitternacht schauen

Gegenwartskunst aus dem Lenbachhaus und der KiCo Stiftung

Städtische Galerie im Lenbachhaus und im Kunstbau 29.09.2020–01.08.2021

Ausstellungsansicht „Maja Vukoje. Auf Kante“, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien, © Bildrecht, Wien 2020

Maja Vukoje

Auf Kante

Belvedere 21 08.12.2020–29.08.2021

Mark Dion, Nursery, 2007, Alessandro Araldi, Sacra conversazione, 1510er-Jahre, Ausstellungsansicht „Fragile Schöpfung“, Dom Museum Wien 2020, Foto: L. Deinhardstein

Fragile Schöpfung

Dom Museum 01.10.2020–03.10.2021

Sheila Hicks, La Sentinelle de Safran, 2018, textile Skulptur, MAK-Ausstellungsansicht, 2020. SHEILA HICKS. Garn, Bäume, Fluss, MAK-Ausstellungshalle, © Bildrecht, Wien 2020, Foto: MAK / Georg Mayer

Sheila Hicks

Garn, Bäume, Fluss Nahbare Kunst

MAK – Museum für angewandte Kunst 09.12.2020–18.04.2021

Installationsansicht Rodin / Arp in der Fondation Beyeler, Riehen / Basel, 2021, © 2021, ProLitteris, Zürich, Foto: Mark Niedermann

Rodin / Arp

Fondation Beyeler, 13.12.2020–16.05.2021

Arp Museum Rolandseck, Remagen, 27.06.–14.11.2021

Thomas Hirschhorn, Community of Fragments, GL Strand, Kopen hagen, Foto: David Stjernholm

Thomas Hirschhorn

Eternal Ruins Galerie Chantal Crousel, 2020

Community of Fragments Kunstverein GL Strand, 06.04.–06.06.2021

KUNSTFORUM-Serie: 100 Jahre Joseph Beuys

Joseph Beuys während seiner Aktion des „festivals der neuen kunst“, am 20. Juli 1964 im Audimax der TH Aachen, Foto: Heinrich Riebesehl / © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Kann Plastik die Welt verändern?

Ein Interview mit den beiden künstlerischen Leitern von „beuys2021. 100 Jahre Joseph Beuys“, Catherine Nichols und Eugen Blume

Nach 1.000 Stunden Batterie auswechseln

Joseph Beuys multipliziert sich

Blick in den ehemaligen Beuys-Raum in der Kunstakademie Düsseldorf, 1984 aufgenommen von dem kanadischen Foto grafen Robert Duchesnay, Foto: © Robert Duchesnay

Wir suchen eine freie Akademie der Zukunft

Die Kunstakademie Düsseldorf gratuliert Joseph Beuys zum 100. Geburtstag

Albert Markert

Der erweiterte Kunstbegriff muss erweitert werden

Ein Interview mit dem Beuys-Experten und Künstler Albert Markert

Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm, (beim Aufbau seiner Arbeit Plastischer Fuß Elastischer Fuß), 1971, © Lothar Wolleh Estate, Berlin

Joseph Beuys. Der Raumkurator

Dreifache Motivation

Staatsgalerie Stuttgart 26.03.– 18.07.2021

Michael Ruëtz, Düsseldorf, Frühjahr 1971, Pigmentprint auf Hahnemühle, 42 × 60 cm, Auflage: #7, © Michael Ruetz / Agentur Focus, Courtesy van der Grinten Galerie, Köln

Im Dialog mit Joseph Beuys

Fotografien Jahren von Michael Ruëtz und von Peter Sevriens aus den 70er und 80er

Van der Grinten Galerie, Köln 23.01.– 10.04.2021

Relektüren

Folge 61

Rainer Metzger

Nachrichtenforum

Hauptraum Ikonenmuseum Frankfurt, Foto: 2021 © lumenphoto.de

Nachrichten

Carsten Höller, Light Wall (Outdoor Version), 2021. 1.100 LED Glühbirnen, digitale Kontrolleinheit, Sound, Stahlpaneele, strukturelle Elemente, Verdrahtung, Kabel, 600 × 400 × 275 cm, Courtesy: der Künstler und MASSIMODE-CARLO, Foto: Courtesy Riyadh Art 2021

Aktionen und Projekte

In diesem Band