Ausstellungen: Hamburg · S. 268
Ausstellungen: Hamburg , 1988

Doris von Drathen

Alive / Survive

Sieben Amerikaner: Curtis Anderson, Alice Aycock, Donald Baechler, Victoria Bell, Barbara Bloom, Allan McCollum, Nancy Spero

Halle K3, 25.3. – 24.4.1988

Das ist selten – eine Ausstellungsmacherin, die ihre Auswahlkriterien auf ihre allerpersönlichsten Vorlieben stützt: Die amerikanische Kunsthistorikerin Janis Hendrickson, die am Hamburger Institut promoviert hat, setzt mit ihrem Debüt eigensinnige Maßstäbe, bekennt sich ohne Scheu zu Kategorien wie Schönheit und Harmonie.

Die Arbeiten der sieben Amerikaner sollen also weder auch nur annäherungsweise das Spektrum der aktuellen amerikanischen Kunst abstecken noch den Betrachter durch Konfrontation innerhalb der Ausstellung beunruhigen, sondern ganz schlicht sieben Bildwelten öffnen, in die einzutreten sich lohnt.

Eine skelettartige Eisenskulptur in der Form eines in die Länge gezogenen Astrolabiums pendelt mitten in einem der abgetrennten Räume. Die Schattenlinien dieser Skulptur mit ihrer starken Mittelachse überlagern sich mit gemalten Linien, die ähnlich an Sternenbahnen erinnern, auf einem Bild an der Frontwand. Die gemalten Pendellinien verbinden zwei angeschnittene photomechanisch reproduzierte Bildzitate, die als Halbkreise an den Bildrand gesetzt sind, in ihrer Mitte eine mit Blattsilber belegte Fläche konkav abgrenzen. Die Bildzitate aus Grünewalds Kreuzigung, die Engel, die in ihren Kelchen das Blut des Gekreuzigten auffangen, tauchen unter dem Netz der Schattenlinien und goldgemalten Linien auf: die pendelnde Eisenskulptur, die ein Kultgerät evoziert, das so oder anders überall vorkommen kann, verleiht der Ikonographie eine zeit- und religionsunabhängige Ritualität. Der Raum hat tempelartigen Charakter. Curtis Anderson gelingt mit dieser Arbeit ein Höchstmaß an kontemplativer Ruhe. Während seines Philosophiestudiums an einer lutherischen Universität und seines Kunststudiums an der Cooper Union in New…

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