Ausstellungen: Köln · von Andreas Denk · S. 368
Ausstellungen: Köln , 1999

Andreas Denk

Annebarbe Kau

»Hallo«

Gabriele Rivet, Köln, 6.3. – 17.4.1999

Sesamstraße ein irritierendes Chimärendasein führen. Dieses Eigenleben wird noch intensiviert, indem die Objekte Geräusche machen: Die „Blume“ (1 998) beispielsweise bringt aus einem Lautsprecher beständiges Vogelgezwitscher hervor und spricht gelegentlich auch ein fragendes „Hallo“ in den Raum. Diese Form einer zweiten Natur zwischen überdimensionalem Spielzeug, Kitschgegenstand und Kirmesautomat wirkt auf den ersten Blick harmlos und verspielt. Nach längerer Zeit jedoch bekommen der eine natürliche Umgebung suggerierende Vogellärm und

das mehr und mehr nervenbelastende Gruß- undappellworteine andere Dimension: Die Beurteilung der „Blume“ schwenkt in eine Richtung, die weniger putzige Kuscheltiere denn gehässige „Critters“ assoziieren läßt.

Eine Bodenarbeit mit dem Titel „Voll Blau“ (1998/99) besteht aus einem matratzengroßen Styroporstück und Plastiktüten, die mit einer blauen Abdeckplane umhüllt und mit einem orangefarbenen Seil umschlungen sind. Ein ebenfalls unter der Plane befindlicher CD-Player gibt etappenweise ein gutturales Brummen ab, das sich bei einigem Zuhören als elektro-

nisch veränderte Aussprache des Buchstabens „B“ zu erkennen gibt. Der amorphe, nicht näher deutbare anorganische Körper gerät – ähnlich wie die „Blume“ – in einen schwer faßbaren, nicht ganz geheuren Zustand, weil ihm Sprache verliehen wird. „Voll Blau“ zeigt Annebarbe Kaus Strategie, analog zu digital gespeicherten Bildern und Tönen „arme“, in einem technischen Herstellungsprozeß erzeugte Materialien zu verwenden. Sie entsprechen in ihrem Charakter als Surrogat für ein natürliches Material der elektronischen Wiedergabe von menschlichen Stimmen oder von Naturbildern, wie sie ebenfalls in Kaus Werk vorkommen. Dieses Spannungs- und Wandlungsverhältnis von „Natürlichem“ und „Künstlichem“ ist das zentrale Thema der Arbeiten von Annebarbe Kau, das sie…

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