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Magazin: Publikationen · von Ludger Fischer · S. 449
Magazin: Publikationen , 1992

Ludger Fischer
Ästhetik des häßlichen Kunstmarkts

Walter Grasskamps Kunstmarktanalyse »Die unästhetische Demokratie

Walter Grasskamp, Die unästhetische Demokratie. Kunst in der Marktgesellschaft, München (C.H. Beck) 1992, 169 S., DM 19,80

Gute Kunst ist Kunst, die sich gut verkauft. Das paßt nicht in die Wunschvorstellungen, weder die der Künstler noch die des Kunstpublikums. Unter mehreren Millionen Menschen, die sich als Künstler verstehen, gibt es nur wenige, die ihre Sachen gut verkaufen. Die Käufer werden selten zugeben, daß sie sich vorrangig für den Marktwert der Kunstwerke interessieren. Deshalb werde ich mich mit dieser Einschätzung nicht beliebt machen. Walter Grasskamp, der den Kunstmarkt und das Kunstschaffen ähnlich einschätzt, macht es geschickter. Nach seiner Analyse hängen gegenwärtige Kunst und ihre Vermarktung so eng zusammen, daß sie sich gegenseitig bedingen. Das mag zwar nicht neu klingen, aber für die Mechanismen, mit denen dies geschieht, sind wohl selten so anschauliche Bilder gefunden worden. Das Bild der Schallplatte, die ohne Abspielgerät noch keine Musik von sich gibt, war für mich besonders einleuchtend: „Die Abtastnadeln von Kollegen und Galeristen, die Verstärkeranlagen des Marktes und die Lautsprecherboxen der Museen und der immer öffentlicheren Privatsammlungen“, all dies trägt zum Kunstwerk wenigstens genausoviel bei wie die vom Künstler eingefärbte Leinwand oder der behauene Klotz.Wer ins Zentrum einer Stadt will, fragt am besten nach dem Marktplatz. Wer ins Zentrum der Kunst will, sollte das nicht anders machen, doch in diesem Zentrum lebt es sich gefährlich. Hier tummeln sich Fälscher, Diebe und Erpresser, ein Milieu, über das sich schöne Geschichten erzählen lassen. Über dreißig Kriminalromane hat Grasskamp…


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