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Magazin: Publikationen · von Jürgen Raap · S. 449 - 448
Magazin: Publikationen , 1992

Gregory Fuller: Kitsch-Art. Wie Kitsch zur Kunst wird. Fuller analysiert die Vermischung von Kitsch und Kunst als eine auffällige Tendenz in der Kunst der 80er und 90er Jahre. Im Anschluß an grundsätzliche Überlegungen zum Thema stellt er in Text und Bild über 60 Künstler vor. Als grobes Ordnungsraster dienen ihm die beiden großen Kunstproduktionszentren Europa und Amerika, wobei er die niederländisch-flämische Kunst nicht unter den »Eurokitsch« subsumiert, sondern in einem gesonderten Kapitel als »Kaaskitsch« abhandelt. Weniger zahlreich, jedoch ebenso bemerkenswert sind die Beispiele aus der ehemaligen Sowjetunion und Japan. Angesichts der umfangreichen Materialsammlung läßt sich darüber nachdenken, ob es sich um eine neue Kunstrichtung oder um eine »kleine, unbedeutende postmoderne Post-Pop-Art-Erscheinung« handelt. DuMont Verlag, Köln, 1992. 209 Seiten, 37 Farb- und 123 sw-Abbildungen, Paperback, 26 DM. ISBN 3-7701-2904-0.

Ernst-D. Lantermann: Bildwechsel und Einbildung. Eine Psychologie der Kunst. Die von Lantermann entworfene Psychologie beruht auf neuen Entwicklungen in der Kognitions- und Gefühlspsychologie. An zahlreichen Abbildungen moderner Malerei wird demonstriert, daß der vorgeführte Blick auf die Kunst gleichermaßen das künstlerische Schaffen und die Kunstbetrachtung einschließt. Das Buch beginnt mit der Erörterung der ordnungsstiftenden Wirkung von Gefühlen. Es schließt sich ein Kapitel zur Intuition an, in dem das Wechselspiel von rationaler Analyse und körpernaher Wahrnehmung und Erkenntnis thematisiert wird. Im folgenden werden sentimentale und kreative Bilderfindungen beschrieben und mit Kunstwerken in Verbindung gebracht. Der Abschnitt »Vom Wiederholen der Bilder« behandelt Fragen zu virtuellen Medienwelten, einschließlich Cyberspace. Den Abschluß bildet ein Streitgespräch (u.a. mit Dietmar Kamper, Dieter Specht, Ben Wargin und Robert Wimmer). Edition q Verlag, Berlin, 1992. 124 Seiten, 36 Farb- und 14 sw-Abbildungen, Hardcover, 68 DM. ISBN 3-928024-91-4.

Martina Sitt: Kriterien der Kunstkritik. Jakob Burckhardts unveröffentlichte Ästhetik als Schlüssel seines Rangsystems. Jakob Burckhardt setzte sich nicht nur intensiv mit der Aufgabe und den Zielen der Kunst auseinander, sondern reflektierte auch seine Arbeitsziele und Methoden. Er konstruierte ein Rangsystem, in das er alle Künstler entsprechend ihres Erfüllungsgrades bestimmter Normen und Aufgaben einordnete, wobei er sich zugleich als Kunsthistoriker und Kritiker betätigte. Anhand eines bislang unveröffentlichten Manuskripts weist die Autorin nach, inwiefern Burckhardts Denken über Kunst ästhetisch fundiert ist und aus welchen Gründen er sich als Kritiker betätigte. Die abschließende Frage nach dem kritischen Instrumentarium, mit dem heutzutage Kunsthistoriker ihre Kritik über zeitgenössische Kunst formulieren, befragt Burckhardts historische Position auf ihre aktuelle Gültigkeit hin. Ars viva, Band 1, hrsg. Götz Pochat. Böhlau Verlag, Wien, 1992. 236 Seiten, Broschur, 56 DM. ISBN 3-205-05518-7.

Fluxus Virus 1962-1992. Annäherung an die Geschichte des Fluxus, die bis in die Gegenwart reicht. Ziel ist die Klärung der Positionen, das Aufzeigen von Einflüssen, um so den Blick in die Zukunft der intermedialen Kunst zu schärfen. Die Textbeiträge (engl./dt.) befassen sich mit verschiedenen Einzelaspekten, wie z.B. dem Verhältnis von Fluxus und Zen, Intermedialität, Fluxus als Weltanschauung, Fluxus und Poesie. Im Anhang Künstlerbiografien mit sw-Porträt und Ausstellungsverzeichnis. Die Fluxus-Happenings von 1951-1991 sind in einer detaillierten Chronologie zusammengestellt. Erschienen anläßlich der Ausstellung im Kaufhof-Parkhaus, Kölnischer Kunstverein und Moltkerei, Köln (1. bis 27.9.92). Hrsg. Galerie Schüppenhauer, Köln,1992. 400 Seiten, zahlreiche sw-Abbildungen, Paperback. ISBN 3-926226-28-5.

Die Lesbarkeit der Kunst. Zur Geistes-Gegenwart der Ikonologie. Der Band versammelt folgende aktuellen Aufsätze über die von Aby Warburg eingeführte und von Erwin Panofsky ausgearbeitete kunstanalytische Methode: Irving Lavin: »Ikonographie als geisteswissenschaftliche Disziplin«, Martin Warnke: »Politische Ikonologie« , Jean Arrouye: »Archäologie der Ikonologie«, Salvatore Settis: »Die Trajanssäule: Der Kaiser und sein Publikum«, Barbara Schellewald: »Stille Predigten. Das Verhältnis von Bild und Text in der spätbyzantinischen Wandmalerei«, Horst Bredekamp: »Götterdämmerung des Neuplatonismus« und Andreas Beyer: »Der Himmel der Kunstgeschichte«. Die Beiträge belegen die Aktualität und Dynamik der Denkschule, die lange schon Verbindlichkeit auch für andere Disziplinen errungen hat. Hrsg. Andreas Beyer. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 1992 (Kleine Kulturwiss. Bibliothek, Nr. 37). 109 S., sw-Illustrationen, Paperback. ISBN 3-8031-51376.

Wahrnehmung der Gegenwart. Interventionen von Hartmut Böhme, Karl Heinz Bohrer, Christina von Braun, Jean François Lyotard, Eva Meyer, Hans Ulrich Reck, Hans-Wolfgang Schaffnit und Wolfgang Welsch. Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeiten bildet die Absicht, Fragen der Ästhetik und Gestaltung in der Kontextualität von Gesellschafts- und Naturgeschichte, von Kulturbetrieb und philosophischer Theorie zu entwerfen. Es werden die Funktionsweisen sowohl kultureller Prozesse als auch künstlerischer Produktion, also des Denkens, der Wahrnehmung und der Imagination hinterfragt. Die Beiträge sind Ergebnis einer von der Züricher Höheren Schule und Museum für Gestaltung organisierten Vortrags- und Seminarreihe. Hrsg. Jörg Huber. Stroemfeld/Roter Stern Verlag, Basel/Frankfurt am Main, 1992. 190 Seiten, Broschur.ISBN 3-87877-403-6.

Peter Sager: Die Besessenen. Begegnungen mit Kunstsammlern zwischen Aachen und Tokio. Eine ebenso persönliche wie exemplarische Zusammenstellung von Sammlerporträts. Vorgestellt werden die unterschiedlichsten Sammlertemperamente, Sammlerstrategien und Sammelgebiete – von Jean Paul Barbier der sich für Frühkulturen, afrikanische und ozenaische Kunst begeistert, über Charles Saatchi bis hin zu dem Warschauer Ludwig Zimmerer, dessen Leidenschaft polnischer Volkskunst gilt. Die erzählten Lebensgeschichten sind zugleich ein Stück Kunst- und Geschmacksgeschichte der jüngsten Gegenwart mit Ausblicken auf die neuen Sammlermuseen. Ein lebendig geschriebenes Buch mit vielen Zitaten und Statements. DuMont Verlag, Köln, 1992. 436 Seiten, sw-Porträts, Hardcover, 48 DM. ISBN 3-7701-2741-2.

Ausbildung

Gerd Selle: Das Ästhetische Projekt. Plädoyer für eine kunstnahe Praxis in Weiterbildung und Schule. Der hier vorgelegte, sehr persönliche Versuch über das kunstnahe ästhetische Projekt greift provokativ in die Diskussion um Praxis und Theorie einer Qualifizierung und Intensivierung von Bildungsangeboten ein. Chancen zum Neubeginn macht der Autor im Projektgedanken der historischen Reformpädagogik aus, der freilich vom Ballast der alten Arbeitsgesellschaft zu befreien und auf die besonderen Bedingungen und Ziele ästhetischer Produktivität hin zu reflektieren wäre. Voraussetzung hierfür ist zuallererst der (Wieder-) Erwerb einer sinnlichen Erfahrungsfähigkeit, die den Zwängen diskursiver Disziplin widersteht und deren Modell Selle in den persönlichen Projekten zeitgenössischer »KünstlerInnen« angelegt findet. Kunstnähe, Kunstwerknähe und Kunstprozeßnähe werden so zu Orientierungspunkten einer zu entwickelnden Gegenwartskunstpädagogik, die sich auf der Reflexionshöhe der aktuellen Kunst bewegt. LKD-Verlag, Unna, 1992. 148 Seiten, Paperback mit Fadenheftung, 24,80 DM. ISBN 3-925426-41-8.

Dagmar von Kathen und Peter Vermeulen: Handbuch Jugendkunstschule. Konzepte, Organisation, Finanzierung. Ein Ratgeber für kulturelle Initiativen. Umfassender Überblick über das Thema, sowohl unter theoretischen als auch praktischen Aspekten.Im Anschluß an eine ausführliche Darstellung der Arbeit der Jugendkunstschulen in den einzelnen Bundesländern sowie den Niederlanden und Belgien, folgen theoretische Überlegungen über ihr Arbeitsfeld. Gesondert abgehandelt werden Möglichkeiten der Aus-, Fort- und Weiterbildung von »MitarbeiterInnen« dieser Institutionen. Das Schlußkapitel beinhaltet detaillierte Information über Organisation, Verwaltung und Finanzierung einer Jugendkunstschule. Adressen- und Literaturverzeichnis im Anhang. Hrsg. Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen e.V. LKD-Verlag, Unna, 1992. 268 Seiten, Paperback, 24,80 DM. ISBN 3-925426-09-4.

Thematische Publikationen

Thomas Zaunschirm (Hrsg.): Im Zentrum der Welt. In loser, assoziativer Abfolge werden verschiedene Aspekte beleuchtet, die mit der Entdeckung einer neuen Welt durch Christopher Kolumbus im Jahre 1492 in Verbindung gebracht werden können. Wilhelm Schlink untersucht die Zusammenhänge von herrschenden Weltbildern und künstlerischer Ideenwelt vom Mittelalter bis heute. Am Beispiel der Ausstellung »Circa 1492: Kunst im Zeitalter der Forschungen« hinterfragt Eunice D. Howe Sinn und Zweck moderner Großausstellungen, die als temporäre Installationen in neuer und einmaliger Zusammenstellung Kunstwerke aus der ganzen Welt versammeln. Thomas Zaunschirm beschäftigt sich in seinem Beitrag mit Einzelaspekten des eurozentristischen Weltbilds. Das Buch begleitet die vom Kunstverein für Kärnten im Künstlerhaus Klagenfurt veranstaltete Ausstellung »Drau-Grau-Schön. Kolumbus durchkreuzt den Kärntner Nebel.« (Sept./Okt. 92). Ritter Verlag, Klagenfurt, 1992. 155 Seiten, zahlreiche sw-Abbildungen, Hardcover. ISBN 3.85415-109-8.

Kunst aus Costa Rica. Die expressionistischen Tendenzen. Zusammenfassender Überblick der Entwicklung von Malerei und Skulptur in Costa Rica seit 1932. In diesem Jahr fand im Club Alemán eine Ausstellung expressionistischer deutscher Kunst statt, die erwiesenermaßen die Künstler Costa Ricas nachhaltig beeinflußte. Auch die nachfolgende Künstlergeneration ist von expressionistischen Tendenzen geprägt, die sich mit nationaler Tradition vermischen. Alle Künstler werden mit mehreren Werkabbildungen, Biografie und Ausstellungsverzeichnis vorgestellt. Katalog von Norbert Nobis. Hrsg. Sprengel Museum Hannover, 1992. 150 Seiten, zahlreiche Farb- und sw-Abbildungen, Hardcover, 32 DM. ISBN 3-89169-968-1.

Woord en Beeld. Les Mots et les Images. Word and Image. Der dreisprachige Katalog (nl./engl./frz.) bietet einen Überblick über die Verbindung von Wort und Bild in der belgischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Ein einleitender Aufsatz erläutert die mittelalterlichen Anfänge dieser Verknüpfung von abstrakt-intellektuellem Zeichen und realistischer Abbildung. Die ausgewählten Beispiele belgischer Künstler lassen das breite Spektrum kreativer Möglichkeiten im Umgang mit Wort und Sprache, Bild und Ding erkennen. Erschienen anläßlich der Ausstellung im Museum van Hedendaagse Kunst, Antwerpen (27.6. bis 15.11.92). 143 Seiten, viele Abbildungen in Farbe und sw.

Risiko. Kurze Geschichten. Auf der Ebene des beschriebenen Papiers können noch die schlimmsten Katastrophen Vergnügen bereiten, kann Ungefährliches folgenreich oder Desaströses folgenlos bleiben. 22 Autoren lassen ihren Risiko-Fiktionen freien Lauf. Begleitende Publikation zur Ausstellung »Risiko. Absicht, Versehen und Versicherungen – Vorsicht!« 5.9. bis 8.11.1992 im Museum für Gestaltung, Basel. Schwabe & Co. AG, Basel, 1992. 91 Seiten, Paperback, 20 sFr. ISBN 3-7965-0943-6.

Monographische Publikationen

Georg Baselitz. Retrospektive 1964-1991. Neben kurzen Textbeiträgen von Siegfried Gohr, Carla Schulz-Hoffmann und Lóránd Hegyi bietet die Publikation vor allem Farbtafeln der ausgestellten Werke. Tabellarische Biographie, Ausstellungsverzeichnis und Bibliographie. Katalogbuch erschienen zur Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München (20.3. bis 17.5.1992). Hrsg. Siegfried Gohr. Hirmer Verlag, München, 1992. 263 Seiten, 119 Farbabbildungen, 1 sw-Porträt. ISBN 3-7774-5830-9.

Jochen Gerz: Life after Humanism. Photo/Text 1988-1992. Zweisprachiger Katalog (dt./engl.) anläßlich der Wanderausstellung 1992/93. Folgende seiner mehrteiligen Foto-Text-Arbeiten werden in qualitativ hervorragenden Abbildungen dokumentiert: 1988 »A Male Token«, 1989 »A Series of Possums«, 1990 »Keys for a Build«, 1991 »Your Art« und 1992 »I had a Dream«. Textbeiträge von Andreas Vowinckel, Stephen Snoddy, Thomas Deecke und Doris van Drathen. Biografie, Ausstellungsverzeichnis und Bibliografie im Anhang. Edition Cantz, Stuttgart, 187 Seiten, 40 DM. ISBN 3-89322-468-8.

Dieter Daniels: Duchamp und die anderen. Der Modellfall einer künstlerischen Wirkungsgeschichte in der Moderne. Differenzierte Darstellung der Wirkungsgeschichte der Kunst Duchamps und ihrer Rolle als Bezugspunkt und Inspirationsquelle für die Kunst seit den 50er Jahren. Die Publikation ist in drei Teile gegliedert: der erste folgt chronologisch, historisch, recherchierend den verstreuten und oft schwer auffindbaren Zeugnissen, die Duchamps Weg an die Öffentlichkeit dokumentieren. Eine theoretische Annäherung an den Künstler anhand der umfangreichen Duchamp-Literatur der letzten 30 Jahre ergänzt die historische Untersuchung. Im letzten Teil wird das Werk Duchamps in seiner konkreten heutigen Situation betrachtet, und zwar aus einem bewußt subjektiven, ganz persönlichen Blickwinkel. DuMont Verlag, Köln, 1992. 380 Seiten, 69 sw-Abbildungen, Paperback, 28 DM. ISBN 3-7701-2987-3.

Für Walter Benjamin. Gesammelte Dokumente, Briefwechsel und Erinnerungen von Freunden. Essays: Winfied Menninghaus: »Das Ausdruckslose. Walter Benjamins Metamorphosen der Bilderlosigkeit«, Stéphane Moses: »Ideen, Namen, Sterne. Zu Walter Benjamins Metaphorik des Ursprungs«, Walter Grasskamp: »Der Autor als Reproduktion«, Leandro Kondor: »Benjamin und die Revolution« und Josep F. Yvars: »Anmerkungen zu einer Theorie der Kritik bei Walter Benjamin«. Dani Karavans Entwurf eines Gedenkortes für Walter Benjamin wird in einem Textbeitrag und Interview mit dem Künstler vorgestellt. Hrsg. Ingrid und Konrad Scheurmann. Erschienen anläßlich der Ausstellung zum 100. Geburtstag des Schriftstellers in Portbou (15.7. bis 27.9.92). Publikation des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e.V.-AsKI, Bonn, und des Suhrkamp Verlages, Frankfurt a.M., 1992. 283 Seiten, zahlreiche sw-Abbildungen, darunter viele Fotodokumente, Paperback. ISBN 3-518-40486-5.

Mathias Goeritz 1915-1990. El Eco. Bilder, Skulpturen, Modelle. Umfangreicher Katalog vom Rang einer Monografie, erschienen anläßlich der großen Retrospektive in der Berliner Akademie der Künste. Goeritz, ein universal engagierter Streiter für die Kunst, insbesondere in der Nachfolge der Moderne, wurde 1915 in Danzig geboren. Sein Weg führte nach Berlin und über Marokko und Spanien – wo er 1948 die »Schule von Altamira« gründete – nach Mexiko. Hier lebte und arbeitete der Künstler, Kunstwissenschaftler, Publizist, Lehrer, Projektleiter und Galeriegründer bis zu seinem Tod 1990. Goeritz‘ Formensprache entstand aus einer Synthese des gefühlsbetonten Expressionismus, des sachlich strengen Bauhaus-Stils und archaischer Urformen. Sein Hauptwerk, die sogenannte »Arquitectura emocional«, sind skulptural entwickelte Kunst-Bauten, architektonische Plastiken und emotionalisierende Raumstrukturen. Der Künstler, der als Pionier der Minimal Art gilt, schuf riesige Weg- und Stadt-Zeichen aus farbig gefaßtem Beton oder Stahl, erfand das Konzept der Highway-Skulpturen und revolutionierte die konventionelle Stadt- und Umweltplanung durch künstlerisches, teils auch ökologisches Engagement. Im Zentrum des Katalogs steht die Vorstellung des Projekts »El Eco«, das 1953 in Mexico City eröffnete Experimental-Museum. Die einzelnen Beiträge zur Werkentwicklung sind in zwei Textblöcken um die zentral angeordneten Werkdokumente gruppiert. Die Lehr- und Wanderjahre werden mit vertiefenden Aufsätzen zu besonderen Eigenarten und Sonderaspekten seines Werkes entsprechend einer groben chronologischen Abfolge abgehandelt. Erstmals werden alle wichtigen Bauten des Künstlers nach strukturell-ikonographischen Gesichtspunkten geordnet einzeln beschrieben und in internationalen Zusammenhängen analysiert vorgestellt. Zahlreiche Brief- und Fotodokumente sowie Nachrufe befreundeter Künsterkollegen wie Max Bense oder Carl Georg Heise runden den Blick auf die Person ab. Im Anhang eine Übersichtsbiografie mit Ausstellungsverzeichnis sowie eine umfangreiche Bibliografie.Hrsg. Akademie der Künste, Berlin, 1992. 524 Seiten, 124 Farb- und 303 sw-Abbildungen, Hardcover, 68 DM. ISBN 3-88331-967-8.

Cordula Meier: Anselm Kiefer. Die Rückkehr des Mythos in die Kunst. Die Autorin geht in einzelnen Werkbeispielen den zentralen Fragestellungen in Kiefers Oeuvre nach. In Interpretationen vieler Einzelbilder und -objekte aus allen Schaffensphasen wird diskutiert, welche Funktion der Transformation von Stofflichkeit, also dem Ins-Werk-Setzen von Material zukommt und wie das augenfällige Wiederaufleben mythologischer Denkbewegung im Zusammenhang seiner Arbeiten zu sehen ist. Die übergeordnete Fragestellung ist, inwiefern das Zeitalter der Posthistoire und das Phänomen der Immaterialität nach François Lyotard die Aktualität Kiefers begründen. Der Publikation liegt die 1990 an der Universität Essen verfaßte Dissertation der Autorin zugrunde. Verlag Die Blaue Eule, Essen, 1992. 264 Seiten, Paperback, 54 DM. ISBN 3-89206-465-2.

A.R. Penck. Analyse einer Situation. A.R. Penck legte selbst die Konzeption der ersten größeren Präsentation seiner Werke in seiner Heimatstadt fest. Er versuchte nicht eine Aufarbeitung der Vergangenheit und eine kunsthistorische Perspektive, sondern eine Analyse der aktuellen Situation. Hierzu wählte er neue Bilder aus dem Jahr 1991, sowie Bronzen aus der Zeit nach 1985 aus. Lediglich die Einbeziehung seiner Zeichnungen aus dem Dresdner Kupferstich-Kabinett bot einen Exkurs in das frühe Werk. Der Katalog folgt dieser Ausstellungskonzeption. Die einzelnen vorgestellten Werkgruppen umkreisen Themenbereiche wie das »Ich«, »Form und Erkenntnis«, »Raum Zeit«, »Plastische Ideen«, und »Das Ich im Westen«.Textbeiträge von Werner Schmidt, Gabi Rauch, Siegfried Gohr und Birgit Dalbajewa. Im Anhang Briefwechsel mit Gerhard Kettner. Erschienen als Katalog zur Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (23.8. bis 25.10.92). Hrsg. Staatliche Kunstsammlungen, Dresden, 1992. 200 Seiten, Farbabbildungen aller Exponate, 1 sw-Porträt.

James Turrell. Perceptual Cells. Die Publikation (dt./eng.) dokumentiert – trotz der Beschränkungen des Druckmediums – Turrells »Lichtarbeiten«. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler und umfaßt nicht streng chronologisch, sondern dem Sinn nach zusammengetragen, sein gesamtes Werk. Ein Interview mit Turrell von Sarah Jacques sowie ein Aufsatz von Raimund Stecker über »Die Kunst ums Licht« ergänzen die Kommentare zu den einzelnen Arbeiten. Erschienen zur Ausstellung im Kunsterein für die Rheinlande und Westfalen (4.4. bis 14.6.92). Hrsg. Jiri Svestka. Edition Cantz, Stuttgart, 1992. ISBN 3-89322-456-4.

Ursula. Retrospektive. Werke 1951-1992. Die umfangreiche Monografie bietet erstmals einen zusammenfassenden Überblick über das Schaffen der Künstlerin, die ihre sehr persönliche Bildsprache seit 40 Jahren konsequent weiterentwickelt. Textbeiträge von Doreet LeVitte Harten, Lothar Roomain, Karl Ruhrberg, Werner Schäfke, Heiner Stachelhaus und Evelyn Weiss. Im Anhang Werkverzeichnis, Biografie mit Fotodokumenten, Ausstellungsverzeichnis und Bibliografie. Erschienen zur Ausstellung im Von der Heydt-Museum Wuppertal (20.9.-1.11.92), Stadtmuseum Köln (13.11.92 bis 17.1.93) und Kunsthalle Bremen (24.1. bis 28.2.93). Hirmer Verlag, München, 1992. 214 Seiten, 122 Farbabbildungen, zahlreiche sw-Porträts.

Ronald Pickvance: A Great Artist is Dead. Letters of Condolence on Vincent van Gogh’s Death. Die Zusammenstellung der Korrespondenz anläßlich des Todes Vincent van Goghs spiegelt in der Reaktion seiner Zeitgenossen die Bedeutung und Einschätzung des Menschen und Künstlers. Die Briefe der Familie geben Einblick in die Privatsituation van Goghs. Die holländischen Briefe stammen vorwiegend von Künstlerkollegen. Ein wichtiges Konvolut bilden die französischen Briefdokumente, verfaßt von Künstlern, Kritikern, Sammlern und Kunsthändlern. Alle Briefe sind in der Originalsprache sowie in der englischen Übersetzung abgedruckt und zum Teil abgebildet. Ausführliche Anmerkungen geben Auskunft über die Verfasser und ihre Verbindung zu van Gogh. Hrsg. Sjraar van Heutgen und Fieke Pabst. Wanders Publishers, Zwolle. 160 Seiten, zahlreiche sw-Porträts.

Fotografie

Vera Isler. Rollenwechsel. Fotografen vor der Kamera. Die Kollegenporträts der Schweizer Fotografin, z.T. mit Originalkommentaren der Abgebildeten. Anspruchsvolles, auf die einzelnen Fotos abgestimmtes Layout. Als Einleitung Gespräch zwischen Vera Isler und Esther Woerdehoff. Im Anhang Kurzbiografien der Fotografen.Friedrich Reinhardt Verlag, Basel/Kassel, 1992., 222 Seiten, sw-Fotos in Duplexdruck, 48 sFr. ISBN 3-7245-0770-4.

Photographs Annie Leibovitz 1970-1990. Opulenter Fotoband mit hervorragend reproduzierten Farb- und sw-Porträtfotos der Amerikanerin. Neben frühen sw-Aufnahmen enthält das Buch vor allem zahlreiche Beipiele ihrer inszenierten Farbfotos. Interwiew mit Ingrid Sischy. Erschienen zur großen Wanderausstellung 1991-1994. Harper Collins Publishers, New York 1991. 232 Seiten, sw-Abbildungen im Duplexdruck, Hardcover mit Leinenbindung, 60 US $. ISBN 0-06-016608-8.

Architektur/Design

Volker Albus und Christian Borngräber: Design-Bilanz. Neues Deutsches Design der 80er Jahre in Objekten, Bildern, Daten und Texten. Das Buch zieht am Anfang der 90er Jahre eine umfassende Bilanz der neuen deutschen Designtendenzen. Die zu Beginn er 80er Jahre einsetzende Entwicklung brachte eine Vielzahl von Gestaltungsrichtungen hervor, die das Publikum und die Medien überzeugten. Die Autoren näherten sich dem Thema in Form einer protokollarischen, sparsam kommentierten Chronologie, auf die eine historische Betrachtung der Ereignisse folgt. Vervollständigt wird die Bilanz durch Einzelporträts sowie Gespräche mit Leitern von Firmen, die sich Neuem Design verpflichtet fühlen. In der Zusammenschau werden die Zusammenhänge von Entwickung, Vertrieb und Medienresonanz erkennbar. Im Anhang sind die wichtigsten Daten in einem chronologischem Panorama zusammengestellt. DuMont Verlag, Köln, 1992. 304 Seiten, 54 Farb- und zahlreiche sw-Abbildungen, 44 DM. ISBN 3-7701-2567-3

Moderne Architektur in Deutschland 1900 bis 1950. Reform und Tradition. In einem breit angelegten Forschungsprojekt bemüht sich das Deutsche Architektur-Museum Frankfurt um eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Architektur im 20. Jahrhundert. Zielsetzung des Projekts ist eine Korrektur, Ergänzung und Richtigstellung der Historiographie im Sinne einer ausgeglicheneren Geschichtsschreibung aus heutiger Sicht, da gerade die Architektur und ihre Bewertung in hohem Maße von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren abhängen. Im Rückblick soll die Komplexität der Entwicklung und die Vielgesichtigkeit ihrer Protagonisten beleuchtet sowie das künstlerische Prinzip der »Moderne« als Folge von Massengesellschaft, Industrialisierung und Technisierung untersucht werden. Die Ausstellung »Reform und Tradition« ist der erste Teil der als Trilogie angelegten Ausstellungsfolge, die durch die Kapitel »Expressionismus und neue Sachlichkeit« sowie »Macht und Monument« ergänzt werden wird. Die Beiträge des Katalogbuches behandeln anhand von Architektenpersönlichkeiten oder ausgewählten Objekten allgemeine Fragestellungen wie die Heimatschutzbewegung, Siedlungsbau u.ä. Folgenden Architekten sind eigene Kapitel gewidmet: Friedrich Ostendorf, Theodor Fischer, Peter Behrens, Hans Poelzig, Fritz Schumacher, Max Berg und Paul Schmitthenner. Die Texte werden von zahlreichen Entwurfszeichungen, Modellen und z.T. historischen Fotografien begleitet. Katalog zu Ausstellung im Deutschen Architektur-Museum, Frankfurt am Main (15.8. bis 29.11.92). Hrsg. Vittorio Magnago Lampugnani und Romana Schneider. Verlag Gerd Hatje, Stuttgart, 1992. 344 Seiten, Farb- und zahlreiche sw-Abbildungen. ISBN 3-7757-0363-2.

Neue Medien

Idea. Guide International des Arts Electronics 1992-1993. Der zweisprachige Führer (frz./eng.) versammelt in seiner 2. Auflage über 2800 Adressen von Institutionen, Organisationen, Künstlern und wichtigen Persönlichkeiten aus dem Bereich der elektronischen Kunst. Unter diesem Oberbegriff werden so verschiedene Kunstformen wie Video, Holographie, Laser-Kunst, Netzwerke, interaktive Kunst, Computergrafik und -animation, Perfomance, elektronische Musik etc. subsumiert. Im Anhang Zeitschriftenverzeichnis und Bibliografie. Ein für Künstler, Kunstvermittler und Galeristen sicherlich unentbehrliches Handbuch. Hrsg. Annick Bureaud. Chaos Editions, Paris, 1992. 504 Seiten, Paperback, 210 FF. ISBN 2-909754-00-6.

Moving Image. Imatges en moviment. Electronic Art. Arbeiten folgender Künstler aus der Sammlung des ZKM Karlsruhe werden mit Abbildungen und begleitendem Text (katal./eng./span./dt.) vorgestellt: Kees Aafjes, Michael Bielicky, Jonathan Borofsky, Klaus vom Bruch, Walter Giers, Ingo Günther, Rebecca Horn, Stephan von Hüne, Dieter Jung, Marie-Jo Lafontaine, Franziska Megert, Bruce Nauman, Marcel Odenbach, Nam June Paik, Friederike Pezold, Fabrizio Plessi, Jeffrey Shaw und Romana Scheffknecht. Einleitung über die Ästhetik der elektronischen Kunst von Heinrich Klotz. Künstlerbiographien im Anhang. Publikation anläßlich der Ausstellung in der Fondació Joan Miró, Barcelona (2.7. bis 6.9.92). Hrsg. Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe und Oktagon Verlag, München-Stuttgart, 1992. 160 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Hardcover.

Peter Weibel: Zur Rechtfertigung der hypothetischen Natur der Kunst und der Nicht-Identität der Objektwelt. Die acht Autoren beschäftigen sich mit der virtuellen Realität einerseits in Hinsicht auf ihre theoretischen und praktischen Auswirkungen auf die Kunst und die dabei auftretenden Veränderungen der Rezeptionsbedingungen, andererseits mit dem wisschenschaftlichen und gesellschaftlichen Stellenwert der Neuen Medien. Beiträge (in eng./dt./frz.) u.a. von Susanne Craemer, Rober Fleck, Paul Virilio und Slavoj Zizek. Gespräch zwischen Peter Weibel und Friedrich A. Kittler. Im Vorspann Farbfotos von Peter Weibels interaktiver Computerinstallation in der Galerie Tanja Grunert. Erschienen anläßlich der Ausstellung in der Galerie Tanja Grunert, Köln, (5.6. bis 1.8.92). Hrsg. Robert Fleck. Verlag Buchhandlung König, Köln, 1992. 185 Seiten, 13 Farbabbildungen, Hardcover mit Leinenbindung, 34 DM. ISBN 3-88-374-166-9.

Geert Lovink: Hör zu – oder stirb! Fragmente einer Theorie der souveränen Medien. In einem Streifzug durch das Innere der freien Amsterdamer Radioszene zeigt Geert Lovink von der Agentur Bilwet eine Entwicklung der alternativen Medien – nicht zu mehr Professionalität und Kommerz, wie in der BRD von alternativen Medienspezialisten meist propagiert – sondern zu den souveränen Medien. Im Unterschied zu den alternativen Medien der späten 60er Jahre, die mit dem Begriff der Gegenöffentlichkeit arbeiteten, sind die »autonomen« Medien der 80er Jahre nicht auf das Movens der Antibewegung angewiesen, sondern haben ihren eigenen Startmotor. Piratensender wie Radio Tod und Radio Patapoe sind Produzenten einer Ätherverschmutzung, deren Subversivität in jedem Moment die bürgerlichen und linken Hörgewohnheiten angreift. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam, 1992. 100 Seiten, sw-Illustrationen, 12 DM. ISBN 3-89408-402-2.