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Ausstellungen: Wien · von Dieter Buchhart · S. 374 - 375
Ausstellungen: Wien , 2001

DIETER BUCHHART
Atelier van Lieshout (AVL)

Bawag Foundation, Wien, 10.5. – 26.8.2001

Joep van Lieshout kochte Gulasch und Kartoffeln zur Eröffnung der Ausstellung „Schwarzes und graues Wasser“ in der Wiener Bawag Foundation. Dazu wurde eigens seine mobile Feldküche vor der Kunsthalle aufgestellt. Diese erinnert nicht nur durch ihren militärgrünen Anstrich an eine Feldküche einer Armee sondern auch durch ihrer Bezeichnung, ihrer potentiellen Mobilität, Präzision und ihre an Kriegsgeräte erinnernde Verarbeitungsweise.

Präzise Funktionalität zählt zu den Prämissen der Arbeiten von AVL, Atelier van Lieshout, das der Künstler 1995 gründete. In ihrem Streben nach Selbstversorgung, wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit entwickelte das Kollektiv, eine Gruppe aus KünstlerInnen, DesignerInnen, ArchitektInnen und ErfinderInnen, eine Infrastruktur, in der die mehr als dreißig Angehörigen permanent leben und arbeiten. Vor wenigen Monaten wurde „AVL-Ville“ im Rotterdamer Hafengebiet zum politisch autonomen und autarken Staat mit eigener Verfassung, Währung, Flagge und eigenen Gesetzen ausgerufen. Auf dem eigenen Territorium baut das Kollektiv seine eigene Nahrungsmittel-, Energie- und Medikamentenproduktion auf und stellt neben seinen eigenen Sanitär- und Wasseranlagen, Wohnmöglichkeiten und medizinischen Einrichtungen auch Waffen und Bomben her. Doch wozu die wehrhafte Ausrichtung des AVL in einem der liberalsten Staaten der Welt? Soll die westernhafte Entschlossenheit zur Selbstverteidigung Unabhängigkeit verdeutlichen? Doch wozu? Wer ist der Gegner? Van Lieshout führt den Kampf des Kollektivs gegen soziale und politische Beschränkungen, was mit Waffengewalt bestimmt nicht erreichbar ist. Der Vergleich zur letzten weitgehend autarken Gemeinschaft, der Kommune von Otto Mühl, geht in die 70er Jahre zurück. Es zeigt sich, dass sich AVL vielmehr als eine Produktions-Lebensgemeinschaft versteht. Der Traum…


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