Essay , 1987

Beiläufigkeiten

Notizen über die Geschwätzigkeit des Kunstkommentars
Von Florian Rötzer

Eigentlich hatte ich vorgehabt, einen kleinen Beitrag über die Malerei in der Gesellschaft des Spektakels zu schreiben, über ihre Verweigerungen, ihre Operationen am Rande des Deutbaren, die bildnerische Nullformen entstehen ließen und zu einer radikalen Öffnung führten.

Die schwarzen Ikonen sind eine Reinigung der Bildfläche, die Indifferenz herstellt, also den Spalt zwischen dem Imaginären und dem Realen, aber auch den zwischen der Vorstellung und der Wahrnehmung einzieht. Selbst die darauf folgenden Versuche, aus dem Bild auszusteigen, dessen Fläche, Begrenzung oder Illusionsraum zu negieren, sind nur Konsequenzen dieser Produktion einer nackten Imaginationsfläche, die sich wie ein schützender Schirm zwischen die sich aufdrängenden Wahrnehmungen und den einfallenden Vorstellungen schiebt. Das Bild ist nicht unmöglich geworden, es hat sich nur von jeder Verpflichtung und jeder Bezugnahme befreit.

Kein Bild entkommt dem anfangslosen und daher imaginären Zirkel, daß es – und sei es nur ein Strich auf der Fläche, ein Schnitt in die Fläche – Übermalung, Durchkreuzung oder Auslöschung anderer Bilder ist, wie es auch Gegenstand weiterer Verformungen werden kann. Die »Null-Formen« (Malewitch) fungieren als erwüstete Projektionsschirme, deren Flächen von einem ungeregelten Imaginären heimgesucht werden. Eine Ikone, die nichts darstellt, ist eine freie Imaginationsfläche, auf der sich alles eintragen läßt, ein »Subjektil« (Artaud), das, etwa zerlöchert von Zigaretten, verknüllt oder zerstört, Bildwelten beschwört: nicht mehr durch eine traditionell eingebundene Arbeit der Verformung und Abweichung, eher als ein Delirieren der Formen, Materialien und Gesten über eine Fläche, deren Begrenzung willkürlich ist. Es flimmert. Die schwarze Ikone, die weiße oder rote,…

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