Ausstellungen: Recklinghausen · von Claudia Posca · S. 317
Ausstellungen: Recklinghausen , 2005

Claudia Posca

Ben Willikens – teatro dell`assenza

»Räume der Ankunft oder der Verlassenheit«

Kunsthalle Recklinghausen, 5.5. – 10.7.2005

Das hat es in der knapp sechzigjährigen Geschichte der Ruhrfestspiele Recklinghausen noch nicht gegeben: In Personalunion bestückt ein Künstler Theaterbühne und Kunstausstellung. Der das meistert, heißt Ben Willikens und hat des Öfteren schon neben seinem Metier als Maler Bühnenbilder entworfen. Geboren wurde er 1939 in Leipzig, heute lebt und arbeitet er in Stuttgart und München. Für die im Rahmen der Ruhrfestspiele aufgeführte Lessing-Inszenierung der „Minna von Barnhelm“ hat er die Kulissen gezaubert, in der Kunsthalle Recklinghausen dagegen eine Ausstellung, darin dem „teatro dell`assenza“, dem Theater der Abwesenheit, Raum eingeräumt wird.

Der italienische Ausstellungstitel ist Programm: Was die zum Teil panoramaartigen Leinwandbilder des ehemaligen Rektors der Akademie der Bildenden Künste München (bis 2004) nämlich sehen lassen, liebäugelt mit dem magischen Realismus der Pittura metafisica eines Giorgio de Chirico genauso wie mit den Renaissance-Architekturen eines Andrea Palladio – nur weniger bunt und ausschließlich flächig gestaltet sich die Verbeugung vor kunsthistorischen Ahnen.

Zudem wirkt die aufgeräumte Welt exakt gezirkelter Bauten und Architekturen, großer und kleiner Räume, verschlossener Türen und offener Fluchten, Lichterfüllter Durchgänge und Höfe des Ben Willikens höchst konstruiert. Nichts in und an dieser Malerei differenzierter Grautöne ist zuviel, und das, was möglicherweise an einem solchen Ort minimalistischer Rücknahme noch anwesend sein könnte – es ist abwesend. Mit der Folge, dass die Leere bzw. der Raum bzw. die Raumleere bzw. der Leerraum Konzept ist. Jedoch ohne der Gegenstandslosigkeit ein Terrain zu bereiten: Stattdessen wird das unbestimmte Irgendwo respektive das Überall…

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