Ausstellungen: Düsseldorf , 1987

Sabine Schütz

Brennpunkt Düsseldorf 1962 -1987

Joseph Beuys, die Akademie, der allgemeine Aufbruch Kunstmuseum Düsseldorf, 24.5.-6. 9.1987

Noch beträgt die Distanz zwischen heute und damals kaum ein Vierteljahrhundert, und schon haben wir sie zum Mythos stilisiert: die goldenen sechziger Jahre und mit ihnen die rebellischen Künder einer Zeit, die vor allem eines sein würde: anders. Oft ist heute die Rede von einer »Zeit des Aufbruchs«, auch wenn damit zumeist eher die euphorische Stimmung dieser Jahre gemeint ist, weniger die nicht erreichten Ziele.

Wie so oft hatte auch damals die Kunst viele Gedanken und Vorstellungen der sechziger Jahre schon formuliert, als die Studentenbewegung noch Rock ’n‘ Roll tanzte; ob Neo-Dada, Pop, Zero oder gar der verpönte Subjektivismus des Informel – durch die unterschiedlichsten Erscheinungsformen der Nachkriegskunst zieht sich die Idee von der Identität zwischen der Kunst und dem Leben – eine Idee, die schließlich in dem ganzheitlichen, anthroposophisch-religiösen Werk und Kunstbegriff von JOSEPH BEUYS kulminierte.

Von Joseph Beuys und seinem Wirkungskreis im Düsseldorf der sechziger Jahre handelte jüngst eine Ausstellung, die Stephan von Wiese im dortigen städtischen Kunstmuseum inszenierte. Die Ausstellung mit ihrer geradezu verwirrenden Materialfülle, vor allem aber der lesens- und empfehlenswerte Katalog sind als – erneute – Huldigung an den eigenwilligen Akademieprofessor ebenso zu verstehen wie als Antwort auf die Sechziger-Jahre-Schau, die vor genau einem Jahr im Kölnischen Kunstverein zu sehen war. Aber »Kunstmetropole Köln« hin, »Brennpunkt Düsseldorf« her – ganz zweifellos spielte die Landeshauptstadt – als Sitz einer der wichtigsten Kunstakademien – eine entscheidende Rolle in der aufbrechenden Kunstszene der Zeit. Geistiger Brennpunkt…

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