Titel: 57. Biennale Venedig - Länderbeiträge Arsenale · von Susanne Boecker · S. 342
Titel: 57. Biennale Venedig - Länderbeiträge Arsenale , 2017

Chile

Bernardo Oyarzun

Werken
Komissar: Consejo Nacional de la Cultura y las Artes, Chile Kurator: Ticio Escobar Ort: Arsenale

Mit seiner Installation „Werken“ hat Bernardo Oyarzún im chilenischen Pavillon ein Mahnmal für die unterdrückten Ureinwohner seines Heimatlandes errichtet. Der Künstler ist selber Angehöriger des indigenen Volkes der Mapuche, das im Zentrum und Süden Chiles sowie im Südwesten Argentiniens lebt. Thema seiner Arbeiten, in denen er anthropologische, soziale und historische Elemente vermischt, sind die lateinamerikanische Identität, seine eigenen indigenen Wurzeln sowie die Rassenmischung (Mestizaje).

Oyarzúns Installation in den Arsenalen besteht aus 1000 Zeremonie-Masken, die dicht gedrängt in der Mitte des dunklen Raums stehen. Geschnitzt wurden die hölzernen Bildnisse von 40 Kunsthandwerkern der indigenen Mapuche-Indianer. Jedes ist anders und besitzt einen sehr individuellen Ausdruck. Um die Wände des Raums flackert ein schmaler Streifen aus roten LED-Lichtern. Darin leuchten im Wechsel alle 6907 Nachnamen von Mapuche auf, die sich bis heute erhalten haben.

Die Mapuche sind das einzige indigene Volk Amerikas, dem es über lange Zeit hinweg gelungen ist, sich der Kolonisation durch die Spanier zu entziehen und ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Heute sind sie das größte indigene Volk in Chile. Nur noch ca. 15 Prozent von ihnen leben auf historischem Territorium; die meisten leben in Städten, davon drei Viertel in der Hauptstadt Santiago. Die Mapuche sind in Chile zahlreichen Repressalien ausgesetzt. Diese reichen von Enteignungen und Abschaffung des Gemeindeeigentums bis zur offiziellen Leugnung der Existenz des Mapuche-Volkes: „Es gibt keine Ureinwohner, wir sind alle Chilenen“, war das Motto von Diktator Pinochet, das in…

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von Susanne Boecker

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