Titel: Insel Austria , 1987

Christine Pellikan

geb. in Wiener Neustadt, lebt in München und Wien

Das visuelle Vokabular von Christine Pellikan kann als virtueller Brennpunkt von Zeichen-Setzungen verstanden werden, die als Derivate jener »Schicht unverarbeiteter Sinneserfahrung«1 vom totalitären Zurichtungsmechanismus par excellence – der symbolischen Ordnung der Sprache – noch nicht erfaßt werden konnte. Die Inthronisation des fixierten Zeichensystems der Sprache, das eine Identität des Ichs voraussetzt (die bei Kants transzendentaler Synthesis der Apperzeption ihren Kulminationspunkt erreichte) ist verantwortlich für das »Vergessen der mythischen und oneirischen Komponenten«2; die ursprünglich »in hitziger Flüssigkeit aus dem Urvermögen menschlicher Phantasie hervorströmende Bildermasse«3 wird dem »Gebälk und Bretterwerk der Begriffe« subsumiert.

Die visuelle Zeichenproduktion von Christine Pellikan, eine Bestandsaufnahme/Archäologie imaginärer Residuen, evoziert plurivoke Zeichen (die meist eine Konnotation des Bedrohlichen vermitteln, »hervorgetreten aus der Besessenheit, aus dem Bauch des Gedächtnisses, (…), aus dem Innersten einer Kindheit, die nicht auf ihre Rechnung gekommen ist«4; (eine entfernte Reminiszenz des Hobbesschen bellum omnium contra omnes taucht bei einigen Gebilden auf). Bestimmte Konfigurationen von Imagines erfahren nun eine Einklammerung; dem fluxus imaginärer Artikulationen, die ein Netz von Bedeutungen produzieren, wird eine spezifische Konfiguration entnommen, gleichsam unter einem Vergrößerungsglas mumifiziert. Das dermaßen mumifizierte Gebilde nimmt den suggestiven Charakter eines kodifizierten Ikonogramms an (ähnlich den Symbolen des Kreuzes, des Mandatas); es geht nur mehr um die bloße Perzeption dieser simulierten Ikonogramme; das Bedeutungsfeld zwischen Sender und Empfänger erfährt keine Codierung, die Ikonogramme verweisen auf sich selbst, sie sind »reine Formen, die die Solidität dessen haben, was durch ein inneres Konstruktionsgesetz definiert werden kann.«5

Dieses isolierte Formengebilde vermittelt einen ähnlichen…

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von Nikolaus Halmer

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