Ausstellungen: Vejle / Reykjavik · von Michael Hübl · S. 374
Ausstellungen: Vejle / Reykjavik , 2002

MICHAEL HÜBL

Clockwise. Neue nordische zeitgenössische Kunst

Vejle Kunstmuseum, 16.6. – 18.8.2002
The Nordic House in Reykjavik, 31.8. – 20.10.2002

Die Geschichte einer Kunst im Unsichtbaren ist durch den in Dänemark agierenden Künstler Colonel um einen neuen Aspekt erweitert worden. Ließ Walter de Maria 1977 einen 1.000 Meter langen Messingstab in den Kasseler Stadtboden versenken (The Vertical Earth Kilometer), hielt Jochen Gerz im gleichen Jahr, in der gleichen Stadt mit dem „Transib.-Projekt“ den Betrachter gezielt im Ungewissen, ob die durch die einzelnen Elemente der Arbeit angedeutete, präsumtive Reise nach Wladiwostok tatsächlich stattgefunden hatte, so mischte sich jetzt der gebürtige Franzose Colonel mitten unter das dänische Volk und blieb dabei dennoch sichtbar unsichtbar. Colonel (eigentlich: Thierry Geoffroy) stellte sich auf Strøget, Kopenhagens Konsummeile, wandte sich nach Belieben an einzelne Passanten und konfrontierte sie mit der Frage: „Kan De se mig?“ – Können Sie mich sehen? Als Antwort kam häufig nur: „Nej“ – Nein. Die Mitwelt wird auf sich selbst und ihr Verhalten zurückgeworfen wie in den verspiegelten Kontaktlinsen, die sich Giuseppe Penone Anfang der 70er-Jahre in die Augen setzte („Die eigenen Augen umkehren“, 1970).

Vielfach erinnern die Reaktionen, die Colonel auf einem Video festgehalten hat („Invisible to the Oculist Witnesses“, 1996), an die in der „Mappe der Hundigkeit“ dokumentierten, stumm-aggressiv-verstörten Abwehrhandlungen, die Valie Export provozierte, als sie ihren damaligen Partner Peter Weibel per Hundehalsband auf der Kärntner Straße gleichsam „Gassi“ führte. In dieser Aktion wurde die Frage nach dem Subjekt insofern wörtlich genommen, als Weibel „hündische“ Unterwürfigkeit demonstrierte. Das lateinische „subicere“ heißt unterwerfen, und nun…

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