Biennalen: Printemps de Septembre Toulouse · von Fabian Stech · S. 376
Biennalen: Printemps de Septembre Toulouse , 2002

FABIAN STECH

Fragilités

Printemps de Septembre in Toulouse

Ecole des Beaux Arts, Les Jacobins, Espace Ecureuil,
Goethe Institut, Espace EDF, Les Abattoirs, Château d’Eau,
Musée de la Médecine, 27.9 – 13.11.200

Mit Bedacht war kurz nach dem größten Industrieunglück der Nachkriegsgeschichte in Frankreich der Titel „Fragilités“ für den Printemps de Toulouse gewählt worden, sollte er doch an die Katastrophe erinnern und sie reflektieren. Dennoch klingt er ein wenig zynisch, wenn man weiß, dass ein großer Teil der Entschädigungen von Total Fina Elf auch ein Jahr nach dem Unglück, das 29 Todesopfer forderte, immer noch auf sich warten lässt. „Fragilités“ bedeutet eben nicht nur Zerbrechlichkeiten, sondern auch „kleine“ Schwächen. Marta Gili, die Direktorin der Fotosammlung der Caixa Bank in Barcelona und Kuratorin des Printemps de Septembre hat rund fünfunddreißig Fotografen und Videokünstler zu diesem Thema versammelt. Rechts und links von der Garonne wurden sie teilweise unter freiem Himmel und an acht musealen Orten gezeigt.

Simone Decker hatte Architekturaufnahmen von Toulouse im Maßstab 1 zu 1 auf feinen Stoff drucken lassen und die entstandenen „Vorhänge“ an anderen Stellen der Stadt platziert. Den Abstand zwischen privatem und öffentlichen Raum schmolz sie so auf den Unterschied zwischen Gerüstplane und Wohnzimmervorhang zusammen. Hans op de Beek, ein belgischer Künstler, projizierte nachts verschiedene Stadien von schwarz-weißen, orientalisch anmutenden Landschaftszeichnungen auf eine Leinwand, die in merkwürdigem Gegensatz zu seinen leeren Videos standen. Lediglich ein Video mit einer Einstellung von Kindern, die aus dem Rückfenster eines Autos schauten, verlängerte jenes kindliche Beobachten des Verstreichens der Zeit in seiner Projektion.

A priori ist Fotografie ein unzulängliches Mittel…

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