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Essay · S. 28 - 29
Essay , 1978

Gerd Winkler
Das Gallwitz-Spiel

Am 31. Januar 1965 erschien in der Wochenzeitung ‚Echo der Zeit‘ ein fünfspaltiger Artikel unter der Überschrift ‚Verpaßte Gelegenheiten‘. Darin wurde dokumentiert, daß die Stadt Frankfurt am Main auf dem Gebiet der neuen Kunst eine Metropole hätte sein können, wenn man ab 1949 willens gewesen wäre, pro Monat den lächerlichen Betrag von rund 2500 DM für den Erwerb von Kunstwerken aus der unmittelbaren Gegenwart aufzuwenden. Allein aus dem Programm der ‚Zimmergalerie Franck‘, der Galerie Sydow‘ und der ‚Galerie d‘ ließe sich damals eine Sammlung von Weltgeltung aufbauen. Dazu wären in 15 Jahren 300 000 bis 400 000 Mark aufzubringen gewesen. Daß dies nicht geschah, lag zum einen am konservativen Kunstklima in dieser Stadt und zum anderen an dem ebenso mächtigen und eigensinnigen Städeldirektor Holzinger. Dieser Kunstherrscher, verwurzelt in den Traditionen eines barspendenden Bürgertums, zementiert systematisch alle privaten Initiativen. Als der 70jährige Holzinger abtrat, war einer der begehrtesten Posten der Kunstszene offen geworden; denn die Stelle des Städeldirektors ist gekoppelt mit der Leitung der Städtischen Galerie der Stadt Frankfurt. Diese Doppelfunktion macht die Position so attraktiv und wichtig.

Bei der Stellenvergabe ging Frankfurts zielstrebiger Kulturdezernent Hilmar Hoffmann von der Annahme aus, der dafür vorgesehene Klaus Gallwitz aus Baden-Baden werde sicherlich die von Holzinger vernachläßigte Moderne pflegen, insgesamt frischen Kunstwind nach Frankfurt bringen und dafür Sorge tragen, daß es fürderhin keine verpaßten Gelegenheiten mehr gebe. Gallwitz war nicht nur Hilmar Hoffmans Favorit. Ohne die Stimme von Hermann Josef Abs (Bankier) hätte Gallwitz nie und nimmer den lukrativen Job am Schaumainkai…


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