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Essay · S. 19 - 27
Essay , 1978

Klaus Honnef
Das Unbehagen an der Kreativität

Vom Künstlerfürsten zum Künstlerstar – Oder: Was hat Kunst mit Mode zu tun?

Grundlage des folgenden Essays ist ein Vortrag, den der Autor im letzten Jahr anläßlich des Symposiums ‚Der kreative Prozeß‘ während des Steirischen Herbstes in Graz hielt. Wie der Vortrag soll der Essay Anstöße liefern und durchaus zum Widerspruch reizen. Die Diskussion ist erwünscht, sie liegt ohnedies schon allzu lange im argen. Betont sei aber zu Anfang, daß niemand mit den Thesen des Essays persönlich provoziert werden sollte, auch wenn manche Institutionen in kritischem Licht gesehen werden. Die Sache von der Person zu trennen – das fällt in diesem Lande besonders schwer, wo ja häufig persönliche Belange im vermeintlichen Interesse der Sache verfochten werden. Da der Essay ihm verdankt, daß er überhaupt geschrieben wurde, sei er dem Direktor der Neuen Galerie in Graz, Professor Dr. Wilfried Skreiner gewidmet.

Wenn es einen Begriff im Bereich der Diskussionen um die Kunst gibt, der mir zunehmend Mißtrauen einflößt, dann ist es der fatale Begriff Kreativität. Mit keinem Begriff wird gegenwärtig so viel Schindluder getrieben wie mit dieser Bezeichnung. Die Lehrpläne der Schulen werden von ihm geprägt, die Forderungen der Künstler an den Staat mit ihm gewürzt, und auf der anderen Seite bekunden Politiker und Verwaltungsbürokraten, daß es ihnen um nichts Höheres gehe, als die allgemeine Kreativität zu fördern. Kreativ sein – das ist der neue Slogan, der wacker der Kunst voranflattert, um ihre Fxistenzberechtigung nachzuweisen. Als ob sie ernstlich eines Nachweises ihrer Existenzberechtigung bedürfe. Ich gestehe, vor…


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