Gespräche mit Künstlern , 1996

Luc Tuymans

Das megalomane Detail

Ein Gespräch von Hans Rudolf Reust

Wo immer von Malerei die Rede ist, fällt im Augenblick der Name Luc Tuymans. Nach seiner Ausstellung in der Kunsthalle Bern 1992 und im darauffolgenden Sommer in Kassel hat sein Beitrag bei keiner bedeutenden internationalen Auseinandersetzung mit Malerei gefehlt. Das vorliegende Gespräch steht denn auch in einer langen Reihe von öffentlichen Äußerungen, die er immer wieder neben seine Arbeit stellt. Hier wird nicht versucht, einen Überblick über das Werk des Künstlers zu geben. Aufgrund der Ausstellung „Heimat“, die im vergangenen Herbst in der Galerie ZENO X in Antwerpen zu sehen war, sowie den jüngsten Bildern, die Tuymans im kommenden Oktober in der Galerie David Zwirner in New York zeigen wird, sollen verschiedene Grundfragen seiner Werkkonzeption und seiner Arbeitsweise eingehender diskutiert werden. Auf Ende des Jahres sind Ausstellungen von Tuymans in Dresden geplant.

Der Text faßt Gespräche zusammen, die auf deutsch an mehreren Tagen im Februar dieses Jahres in Antwerpen geführt wurden.

*

I.

H.R. R.: Wir sitzen hier in deinem Atelier, wo bereits sieben Bilder für die im kommenden Herbst geplante Ausstellung in New York versammelt sind. Ein achtes, der Kinderporno, ist nahezu beendet. Zwei weitere – „Mount Rushmore“ und vielleicht ein Bild der Erde – sollen folgen, um den aktuellen Zusammenhang deines Nachdenkens über Amerika abzuschließen. Du steckst also mitten in der Konzeption einer jener Werkkonstellationen, in die deine Bilder bei ihrer ersten Präsentation jeweils eingebunden sind. „Heimat“, die letzte Reihe, wurde im vergangenen September erstmals bei deiner Hausgalerie ZENO X in Antwerpen gezeigt….

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von Hans Rudolf Reust

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