Gespräche mit Künstlern , 1996

Chris Burden:

»Künstler sind wie mutierende Gene«

Ein Gespräch von Johanna Hofleitner

Mit riskanten Versuchsanordnungen und bisweilen sadomasochistisch anmutenden Performances, die er bald vor einem kleinen Kreis in und außerhalb der Galerien veranstaltete, bald via TV in die Öffentlichkeit einschleuste, erregte Chris Burden in den 70er Jahren die Aufmerksamkeit des Kunstpublikums, bevor er sich 1975 der Skulptur zuwandte (s. a. das Interview von Johannes Lothar Schröder in Bd. 123, S. 280.)Im Mittelpunkt seiner ersten großen europäischen Einzelausstellung „Jenseits der Grenzen“ im Wiener MAK (Museum für angewandte Kunst, bis 4. August) stehen Burdens Skulpturen, Objekte und große Installationen aus den letzten zwei Jahrzehnten. Im Gespräch mit Johanna Hofleitner nimmt Chris Burden Stellung zur Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, zur Macht der Medien im Informationszeitalter und zur Frage der Museen. Er spricht über Maschinen, Spielzeug und die Megalopolis Los Angeles und läßt Einblick nehmen in sein Selbstverständnis, seine Ästhetik des Schocks, seine Visionen und seine Arbeitsweise. Das Gespräch fand im Februar im Zuge der Ausstellungsvorbereitung in zwei Teilen statt.

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J. H.: Sie haben bis 1983/84 Performances gemacht. Warum haben Sie damit aufgehört?

C. B.: Eigentlich hatte ich mit den Performances schon 1976/1977 abgeschlossen und begonnen, Installationen und andere Dinge zu machen. Einer der Gründe – es war nicht der einzige -, nach dem Studium Performances zu machen, war, daß es fast nichts kostete: Ich benötigte kein Werkzeug, keinen Lagerraum. Und an sich bin ich ja ein ausgebildeter minimalistischer Bildhauer. Nach circa 80 Performances wollte ich also einfach wieder Dinge herstellen. 1975, sechs Jahre nach…

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von Johanna Hofleitner

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