Magazin: Symposien & Kongresse · von Jochen Becker · S. 414
Magazin: Symposien & Kongresse , 1992

Jochen Becker

Das Treffen von Maastricht

»Place-Position-Presentation-Public«

als Arbeitssitzung zur Funktion zeitgenössischer Kunst (7. – 9.4.1992)

Während der Maler Gerhard Richter die Räume der Düsseldorfer Hypo-Bank makellos dekoriert, konstruierte Krysztof Wodiczko zeitgleich in New York Alu-Vehikel für Obdachlose, die ihnen als Transportwagen und Schlafstätte dienen. Dekadenz und Notwehr stehen sich derzeit in der bildenden Kunst scharf gegenüber. Individuelle Kontemplation vor dem autonomen Werk versus kollektivem Aufruf zum Widerspruch sind nicht als neuer Bilderstreit oder kleinlicher Stilkrieg verbuchbar, wie ihn die Avantgarde-Bewegungen vergangener Jahrzehnte noch ausfochten. Es geht vielmehr um die Position der Künste zwischen Repräsentation und Vergegenwärtigung, als Zierde oder Einspruch. Angesichts der im satten Mitteleuropa kaum diskutierten Positionsneubestimmung der Künste hatte das dreitägige Treffen in Maastricht unter anderem eine Aufzeichnung transatlantischer Positionen zu leisten.

Ort und Weise der Präsentation – so die eher zögerliche Arbeitshypothese der Gastgeberin Ine Gevers für das Symposium „Place-Position-Presentation-Public“ in der Maastrichter Kunstakademie – prägen die Bedeutung künstlerischer Arbeiten. Im Spektakel-Zeitalter rasch wechselnder Kontexte ist die Frage des Ausstellungsrahmens und der eigenen Positionierung von überaus großer Bedeutung. So setzte Andrea Frazer in ihrem Vortrag, den sie wegen eines privaten Druckerstreiks direkt vom Laptop ablas, an die Stelle piktoraler Betrachtung eine genaue Analyse der ausstellenden und kunstfördernden Institutionen. Welche Rolle spielt beispielsweise, so einer der Kommentare während der anschließenden Diskussion, die Kunstschulung an einer Akademie wie der in Maastricht, wo es mehr Ausbilder als Auszubildende gibt und wo man sich im Unterschied zu vergleichbaren Institutionen in den USA den Luxus gut umsorgter Symposien leisten kann?

Das Kunstwerk – so Michael Lingners These…

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