Kunstforum-Gespräche , 2013

Der vergessene Körper

Catherine Millet sprach mit Heinz-Norbert Jocks in Paris

Catherine Millet, 1948 in Bois-Colombes geboren, ist eine Expertin für Moderne Kunst sowie Chefredakteurin der Kunstzeitschrift art press. Als Autorin von „La vie sexuelle de Catherine M.“ (2001) wurde sie auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Mit ihr traf sich Heinz-Norbert Jocks in ihrem Pariser Büro.

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Heinz-Norbert Jocks: Guten Morgen Frau Millet, nun sind Sie nicht nur Autorin der Bücher „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ und „Eifersucht“, sondern gleichzeitig auch Kunstkritikerin und seit 40 Jahren Chefredakteurin des Kunstmagazins „Art Press“. Sehen Sie eine Verbindungslinie zwischen Ihren verschiedenen Positionen?

Catherine Millet: Ich denke, das dürfte nicht allzu schwierig sein. Als Chefredakteurin von „Art Press“ habe ich mich schon sehr früh der Frage der Sexualität gewidmet, sowohl ausgelöst durch die Pornographie-Debatte als auch aufgrund der sexuellen Präsentation, die schon immer gegen die Auswirkung der Zensur gekämpft und sich darauf berufen hat, dass das Publikum in unserer Gesellschaft erwachsen genug ist, um Zugang zu jeder Form und jeden Ausdruck von Sexualität zu haben. Wie Sie sehen, gibt es in diesem Fall eine Verbindung. Was meine Position als Kunstkritikerin betrifft, so ist es da etwas schwieriger, eine Beziehung zur sexuellen Präsentation herzustellen, weil ich am Anfang meiner Karriere als Kunstkritikerin vor allem entweder über die konzeptuelle Kunst oder über die abstrakte Malerei geschrieben habe. Jedoch bezogen sich viele der Künstler, vor allem die abstrakten, über die ich schrieb, beispielsweise in ihrer ästhetischen Praxis, auf die Psychoanalyse. Ja, man musste darauf zurückgreifen,…

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von Heinz-Norbert Jocks

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