Titel: Parasitäre Strategien , 2007

Sabine Fabo

Die Kunst der (un)freundlichen Übernahme

In Zeiten sich immer dichter verknüpfender Kommunikationsnetzwerke, deren Elemente semiotisch vielschichtig besetzt sind, trifft man zusehends auf kulturelle und künstlerische Strategien, die sich nicht an dem Modell einer völligen künstlerischen Neuschöpfung orientieren, sondern zunächst weniger markante Formen der Gestaltung aufsuchen. Der Anspruch einer dezidierten Autorschaft wird durch Verfahren der Kollaboration und Anknüpfung an vorhandene Strukturen abgelöst.

Aneignung

Die Skepsis an der Rolle des Autors und kreativen Schöpfung eines Werks erfolgte bereits mit den Readymades von Duchamp, der sich der Ästhetik der alltäglichen Gegenstände bediente, um die retinale Verengung der Kunstwelt offenzulegen. In den 80er Jahren, im Zeichen der zitatfreudigen Postmoderne, avanciert die Aneignung zur zentralen künstlerischen Strategie, um überhaupt noch Kritik an der Institution Museum, dem Kunstbetrieb und der als homogen empfundenen Geschichte der großen Meister der Avantgarde-Bewegungen üben zu können. Man arbeitet mit dem Baudrillardschen Begriff der Simulation, um den Zweifel am Original in einer sich vom denotativen Objekt lösenden Zeichenwelt deutlich zu machen. Künstler wie Barbara Kruger und Jenny Holzer nutzen den öffentlichen Raum, um ihre künstlerischen Botschaften auf Plakatwänden, T-Shirts, in Footballstadien oder am Times Square einzuschleusen oder bedienen sich wie Martha Rosler der medienkritischen Collage. Cindy Sherman leiht sich die Inszenierungsformen des Films und der Porträtkunst aus, um das weibliche Selbst in leichter Verschiebung zum bildnerischen Original neu zu befragen. Sherrie Levine konzentriert sich auf den Akt der fotografischen Aneignung, in dem sie die monolithische Klassizität der Meister der Fotografie der Moderne durch die Geste der Wiederholung entkräftet. Jeff Koons überbietet…

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